COVID-19: 30 Millionen Kinder von «Nebenwirkungen» gefährdet

15. April 2020

Mongolei: Ein Junge mit einem Mundschutz blickt in die Kamera.

MONGOLEI: CORONA BETRIFFT DIE KINDER NICHT? DIESE THESE IST LEIDER VÖLLIG FALSCH, WIE EINE STUDIE VON WORLD VISION ZEIGT.

Text: Alexander Koch, World Vision Schweiz

COVID-19 wird derzeit nicht als grosse Bedrohung für Kinder wahrgenommen, insbesondere wegen der relativ niedrigen Anzahl der Mädchen und Buben, die sich nachweislich mit der Krankheit angesteckt haben. Schwere Infektionen sind selten und laut der Universität Oxford sind bisher relativ wenige Kinder an COVID-19 gestorben. 

Aber solche positiven Statistiken verdecken die grosse Bedrohung der Pandemie gerade für Kinder in Konfliktgebieten und in den ärmsten Ländern der Welt. Denn die Sekundärauswirkungen, etwa auf das durch andere Krankheiten oder Hunger geschwächte Immunsystem, sind vor allem für die Kinder verheerend. Bei einem Verlust ihrer Eltern oder Betreuerinnen und Betreuer entstehen viele weitere Gefahren für das Leben der Kinder. 

«Es wäre völlig falsch, COVID-19 nicht als gefährlich für Kinder anzusehen», betont Christoph von Toggenburg, CEO von World Vision Schweiz. «Wenn Epidemien die Gesundheitssysteme überfordern und wichtige medizinische Ressourcen nicht mehr für andere Dinge zur Verfügung stehen, kann das insbesondere für Kinder katastrophale Folgen haben. Wir haben deshalb umgehend gehandelt und eine weltweite Hilfsaktion auf die Beine gestellt. Wir machen das gemeinsam mit starken Partnern aber wir brauchen dringend finanzielle Unterstützung für die Umsetzung.»

Um unsere Hygienemassnahmen auszuweiten, medizinisches Material zur Verfügung zu stellen und die Mitarbeitenden der Gesundheitssysteme mit kompletter Schutzausrüstung zu unterstützen, brauche wir Ihre Unterstützung mehr denn je. Jetzt spenden!

Szenarien wie bei Ebola befürchtet
Der Bericht «Aftershocks» thematisiert insbesondere kritische Entwicklungen bei Gesundheits- und Ernährungsproblemen in 24 Ländern Afrikas, Asiens, Südamerikas und dem Nahen Osten, auf die der UN-Hilfsaufruf für die Bekämpfung von COVID-19 fokussiert. Die Analyse legt als Modell die Ebola-Epidemie 2014-2016 in Westafrika zugrunde. Trotz Unterschieden zur aktuellen Pandemie lassen sich aus den Erfahrungen mit den weitreichenden Einschnitten während der Ebola-Epidemie Schlüsse für erwartbare Szenarien in kriegszerstörten und sehr armen Ländern ziehen. 

Die wichtigsten Ergebnisse der Analyse 

  • Sekundäre Auswirkungen werden das Leben von viel mehr Kindern bedrohen als COVID-19 selbst. Die derzeitige Zahl der Todesfälle bei Kindern ist gering, da schwere Verläufe der Krankheit bei Kindern selten sind. 
  • Mindestens 26 Millionen Kinder sind aufgrund fehlender Impfungen einem grösseren Risiko ausgesetzt, auch mit anderen gefährlichen Krankheiten infiziert zu werden.
  • Mindestens 5 Millionen Kinder könnten in den 24 Ländern an akuter Unterernährung leiden, was einen Anstieg von fast 40% gegenüber dem derzeitigen Niveau bedeutet. 
  • An Malaria könnten 100’000 Kinder mehr als bisher sterben, weil sie keinen Zugang mehr zu lebensrettenden Behandlungen bekommen. 

Schon kleinste Veränderungen können zu Verschlechterungen führen
Schon vor der Pandemie waren allein in den 24 untersuchten Ländern mehr als 76 Millionen Kinder auf humanitäre Hilfe angewiesen. «Kleinste Veränderungen, wie Verteuerung der Lebensmittel, Schliessung der Märkte oder erschwerter Zugang zu Gesundheitssystemen, führen dazu, dass sich ihre Lage sehr schnell verschlechtert», warnt Amie Heath, Director of International Programmes bei World Vision Schweiz. Der Bericht «Aftershocks» empfiehlt daher, auf allen Ebenen strategisch mit Hilfsorganisationen, Gesundheitsdiensten und wichtigen Kommunikatoren zusammenzuarbeiten, um gegenzusteuern. Ausserdem müssten Zugänge und Lieferketten zu notleidenden Menschen abgesichert werden. 

World Vision hat seine COVID-19-Nothilfe jetzt auf 28 besonders gefährdete Länder ausgeweitet und will in den kommenden Monaten rund 22,5 Millionen Menschen mit Hilfen im Umfang von 80 Millionen US-Dollar erreichen. «Wir passen unsere Massnahmen den jeweiligen Bedürfnissen der Länder an und nutzen sowohl bewährte Netzwerke als auch neue Techniken, um einen effektiven Beitrag zur Eindämmung der Pandemie zu leisten. Unser Schwerpunkt liegt dabei auf dem Schutz und den Bedürfnissen von Kindern», so Amie Heath. «Wir sind zuversichtlich, dass auch Kinder und Jugendliche in vielen unserer Entwicklungsprojekte einen wichtigen Beitrag leisten werden, weil sie bereits gut in Hygiene geschult wurden und sehr motiviert sind, sich für die Gemeinschaft zu engagieren.»

Sie können die vollständige Publikation «Aftershocks» hier herunterladen. 

Lehren aus der Ebola-Krise
Aus der Ebola-Krise gelernt, wie sich das Virus bekämpfen lässt: World Vision arbeitet in der Demokratischen Republik Kongo eng mit Glaubensführern zusammen, um möglichst viele Menschen über die aktuelle Situation aufzuklären und die Ausbreitung von COVID-19 einzudämmen.
 

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