Brand auf Lesbos: So leben Menschen in den grössten Flüchtlingslagern der Welt

15. September 2020

Ein Rohingya-Mädchen umarmt ein kleines Kind im grössten Flüchtlingslager der Welt in Cox’ Bazar, Bangladesch.

Rund 500’000 Rohingya-Kinder leben im grössten Flüchtlingslager der Welt in Cox’ Bazar, Bangladesch.

Text: World Vision Schweiz

Nach dem Brand in Moria, dem grössten Flüchtlingslager Europas, sind Tausende von Menschen obdachlos, darunter 4’000 Kinder. Ihr Schicksal ist ungewiss. Schon vor dem Brand herrschte in dem überfüllten Lager auf der griechischen Insel Lesbos das Elend. Statt der geplanten knapp 3’000 Geflüchteten waren dort mehr als 12'000 Flüchtlinge untergebracht
 
Das Desaster hat ein Licht auf die brenzlige Situation in den Flüchtlingslagern der Welt geworfen. Denn nicht nur auf Lesbos droht die Lage zu kippen. Laut der UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR gibt es derzeit fast 80 Millionen Vertriebene in der Welt. Die Meisten von ihnen leben als interne Flüchtlinge in ihren eigenen Ländern oder retten sich vor Krieg und Gewalt ins nächste Nachbarland. Dadurch werden gerade in armen und krisengebeutelten Gegenden viele Länder plötzlich zu Helfern in der Not, obwohl ihre eigene Lage wirtschaftlich kaum besser ist. 

Hier ist die aktuelle Situation in drei der weltgrössten Zufluchtstätten – und was wir gerade in Zeiten von COVID-19 tun müssen, um zu helfen.

Eine Rohingya-Familie in einem Flüchtlingslager in Bangladesch trägt Schutzmasken.
Schutz vor Corona: Auch im Rohingya-Flüchtlingslager trägt man Masken.

Cox’ Bazar: das  grösste Flüchtlingslager der Welt
 

Das grösste Flüchtlingslager der Welt ist in Cox’ Bazar, im Süden von Bangladesch. Seit 2017 fängt es Mitglieder der Rohingya-Minderheit auf, die aus dem benachbarten Myanmar vertrieben wurden. Über 900'000 Menschen leben derzeit in dem Lager. Viele haben mitansehen müssen, wie Angehörige brutal ermordet und ihre Dörfer in Brand gesetzt wurden.
 
Unter den Geflüchteten sind rund 500'000 Kinder. World Vision bietet ihnen und ihren Familien gezielt Hilfe an. In speziellen Schutzzonen können die schwer traumatisierten Kinder lernen und spielen, und werden psychologisch betreut. 

Gemeinsam mit Partnern wie dem Welternährungsprogramm (WFP) verteilen wir Nahrungsmittel und helfen, die Trinkwasserversorgung zu sichern. Seit März klären wir die Rohingya zusätzlich über Schutzmassnahmen gegen COVID-19 auf, wie z.B. das richtige Händewaschen. Das Virus wurde bereits bei einigen Menschen im Lager festgestellt. Es muss dringend gestoppt werden, da die gesundheitliche Versorgung dort extrem prekär ist und die bestehenden Strukturen mit schwer Erkrankten vollkommen überfordert wären.

Kein Land der Welt hat pro Kopf mehr syrische Flüchtlinge aufgenommen als der Libanon: 1,5 Millionen. Ein Drittel davon sind Kinder.
 
Libanon: überlasteter Helfer

 
Kein Land der Welt hat pro Kopf mehr syrische Flüchtlinge aufgenommen als der Libanon: schätzungsweise 1,5 Millionen bei nur 5,5 Millionen Einwohnern. Dabei kämpft Libanon schon seit Jahrzehnten mit seinen eigenen Problemen. Die Wirtschaft strauchelt, die Politik ist in einer permanenten Krise, Proteste erschüttern das Land. Die Riesenexplosion im Hafen, die ganze Nachbarschaften zerstörte, verschärft die Situation und birgt grosse Langzeit-Risiken.  
Formell gibt es im Libanon keine Flüchtlingslager. Die syrischen Kriegsflüchtlinge leben in verschiedenen Gemeinden und Orten, oft in überfüllten Notunterkünften und Zeltstädten. Die Mehrheit existiert unter der Armutsgrenze. Ein Drittel von ihnen sind Kinder. Neun Jahre nach dem Beginn des Bürgerkriegs in Syrien gibt es immer noch wenig Hoffnung auf eine Rückkehr in die Heimat und einen Neuanfang.

World Vision arbeitet seit 1975 in Libanon, sowohl mit der örtlichen Bevölkerung als auch mit den Flüchtlingen. Wir schützen Kinder vor Zwangsehe und Missbrauch, unterstützen sie psychologisch und bieten ihnen Bildungsmöglichkeiten an. Gerade die Zwangsverheiratung ist in der derzeitigen Situation eine grosse Gefahr, da viele Familien aus Not und Armut keine andere Chance für ihre Kinder sehen. Auch in anderen Ländern in der Region, wie z.B. Irak und Jordanien, sind wir in der Flüchtlingshilfe aktiv.

Unterricht trotz Corona: Helfer verteilen in der Flüchtlingssiedlung Bidibidi in Uganda Radios, damit die Kinder während der Schulschliessungen lernen können.
 
Uganda: Afrikas wichtigster Zufluchtsort 
 
Uganda beherbergt die grösste Flüchtlingsbevölkerung Afrikas. Rund 1,4 Million Geflüchtete leben in dem Land, das selber mit Hunger und Armut kämpft. Naturkatastrophen, Klimawandel und auch COVID-19 bedrohen die Landwirtschaft und Nahrungsversorgung. Dennoch verfolgt Uganda eine fortschrittliche Flüchtlingspolitik, die den Migranten erlaubt, sich frei zu bewegen, zu arbeiten und Unternehmen zu gründen.
 
Wie Bangladesch und Libanon wurde Uganda durch regionale Konflikte zum Auffanglager, denn die meisten Flüchtlinge hier kommen aus zwei Nachbarländern, dem Südsudan und der Demokratischen Republik Kongo. Ein Problem ist, dass manche der Geflohenen im Gastland weiter ihre Konflikte austragen. Gemeinsam mit dem UN-Entwicklungsprogramm UNDP unterstützt World Vision deshalb friedensfördernde Massnahmen unter den Flüchtlingen aus dem Südsudan
Verfeindete Stämme haben sich dank des Projekts versöhnt und verbessern dadurch erheblich die Lage in den Flüchtlingssiedlungen. Durch die neue Stabilität können wirtschaftlich wichtige Projekte wie zum Beispiel der Strassenbau durchgeführt werden. Auch die Verteilung von Hilfsgütern und Nahrungsmitteln ist erheblich einfacher und gerechter, wenn sich die Empfänger einig sind.
 
In Uganda steht wie überall bei unseren Projekten der Kinderschutz im Vordergrund, und das nicht nur bei den Flüchtlingen. 14 Prozent der Kinder in Uganda leiden an Unterernährung. 60 Prozent der Kindersterblichkeit in Uganda ist auf Hunger zurückzuführen. Wir arbeiten mit Familien in mehreren Gegenden, um die Trinkwasser- und Nahrungsversorgung zu verbessern. Durch unsere technische Unterstützung haben mehr als 26’000 Landwirte hier ihre Anbaumethoden grundlegend verbessert. Die erfolgreichen Ernten stärken die gesamte Nahrungsmittelkette.
 
Bangladesch, Libanon und Uganda sind Beispiele von Ländern, die trotz der eigenen Not noch andere aufnehmen. Wir unterstützen sowohl die Flüchtlinge als auch die Gastländer bei dieser enormen Belastung. Ausserdem versuchen wir, langfristig einen grossen Auslöser für die Flüchtlingswellen zu bekämpften: Armut und Krieg über knappe Ressourcen. Denn nur wenn in den Heimatländern ein sicheres, würdevolles Leben möglich ist, wird der Flüchtlingsstrom ein Ende nehmen.

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