BANGLADESCH: MEGHLA KÄMPFT GEGEN KINDERHEIRAT

19. Juli 2018

Lächelnde junge Frau aus Bangladesch im Sari

Die heute 18-jährige Meghla aus Bangladesch ist eine mutige junge Frau. Sie setzt sich gegen Kinder- und Zwangsheirat in ihrem Land und auf der ganzen Welt ein.

«In meiner Gesellschaft ist das Leben eines Mädchens schwierig und voller Leid», sagt die mutige junge Frau. Meghla stammt aus einem Armenviertel in Bangladeschs Millionen-Metropole Dhaka. «Bei jedem Schritt wird man als Mädchen mit Problemen konfrontiert. Ich habe das selbst erfahren», berichtet sie. «Manchmal wurde ich misshandelt, manchmal von den Eltern und Betreuern einfach nicht beachtet.» 

Meghla wuchs in einer äusserst schwierigen familiären Situation auf: Als sie 4 Jahre alt war, trennten sich ihre Eltern, als sie 6 wurde ging ihre Mutter ausser Landes um zu arbeiten. Dann starb ihr Vater. Meghla wuchs mit ihren Geschwistern bei einer Tante auf. Mutter und Tante beschlossen, das Mädchen früh zu verheiraten – mit 13 Jahren an einen völlig Fremden. Den 30-jährigen Mann, der im Ausland wohnte, hatten weder sie noch ihre Mutter jemals zuvor getroffen.

«Ich wollte nicht heiraten, ich wollte meine Ausbildung fortsetzen. Trotzdem hat meine Mutter den Hochzeitstermin festgelegt», erzählt sie. Für Meghla stürzte die Welt ein: Sie weinte den ganzen Tag und hörte auf zu essen. Doch weder Argumente noch flehende Bitten halfen. Die Verwandtschaft versuchte sogar, das Mädchen mit Drohungen gefügig zu machen. Doch Meghla gab nicht auf. Sie vertraute sich einer Lehrerin an, suchte Zuflucht bei Freunden und informierte ein von World Vision betreutes Kinder-und Jugendforum. Dort können die Kinder nicht nur Probleme diskutieren und Freundschaften schliessen, sie lernen auch, ihren Stimmen selbstbewusst Gehör zu verschaffen. 

Allen zusammen gelang es schliesslich, Meghlas Mutter von der erzwungenen Ehe abzubringen. Für Meghla ein Schlüsselerlebnis: «Ich bin froh, dass ich meine eigene Verheiratung verhindern konnte. Seitdem setze ich mich dafür ein, auch andere Mädchen vor einer Kinderheirat zu schützen», sagt die hochmotivierte Schülerin.

Als Kinderbotschafterin weltweit unterwegs
Meghla ist heute Jugendbotschafterin von World Vision bei «Girls not Brides», einem weltweiten Zusammenschluss von über 900 zivilgesellschaftlichen Organisationen, die sich für ein Ende von Kinderheirat und Zwangsehen einsetzen. An einer grossen Konferenz hat die heute 18-Jährige gerade über ihre eigenen Erfahrungen berichtet und neue Verbündete gewonnen. In den letzten 18 Monaten, so berichtet Meghla, konnten die Mitglieder des Forums 13 Kinderheiraten verhindern.

Kinderheirat ist in Bangladesch seit Jahrzehnten verboten, trotzdem liegt das durchschnittliche Heiratsalter bei Mädchen immer noch bei 16 Jahren. Armut ist einer der Haupttreiber: Die Familien haben Mühe, allen Kindern eine Ausbildung zu finanzieren und können keine hohe Mitgift zahlen. «Ein weiterer Grund ist, dass die Familien aufgrund der sozialen Unsicherheit und der patriarchalischen Gesellschaft Angst davor haben, unverheiratete Mädchen zu Hause zu haben», ergänzt Meghla. 

Sie hat in vielen Gesprächen auch erlebt, dass den Eltern die negativen Folgen einer frühen Verheiratung ihrer Kinder gar nicht bewusst sind. Daher sei der Ansatz des Forums, die Familien mit Aufklärung zu überzeugen. «Wenn das nicht funktioniert, schalten wir mit Hilfe der Gemeinde die Polizei ein.» Keine ungefährliche Aufgabe («Wir haben schon Drohungen erhalten.»), aber eine sehr wichtige: «Wir möchten unsere Kindheit geniessen und wir möchten, dass unsere Gesellschaft zu einem Ort wird, an dem kein Mädchen Opfer von Missbrauch einschliesslich Kinderheirat wird. Wir wollen unser Leben in Freiheit leben.»
 

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