BANGLADESCH: KEIN GRAB FÜR ANAJ IM FLÜCHTLINGSCAMP

12. Oktober 2017

Frau in Bangladesch

Von den Anzeichen eines Traumas geprägt, sagt Fiza: «Nur eine Mutter kann verstehen, wie schmerzvoll es ist, sein Kind zu verlieren.»

«Es war etwa 10 Uhr nachts, als plötzlich die Wehen einsetzten. Um 3 Uhr früh kam mein Sohn zur Welt. Nur eine Hebamme, die auch aus Myanmar geflüchtet ist, war bei mir. Es war sehr schmerzvoll», sagt die 28-jährige Fiza*, die am 23. September ihr Kind im Flüchtlingscamp gebar. 

Die Folgen einer schwierigen Flucht
Die eskalierende Gewalt im Staat Rakhine in Myanmar hat dazu geführt, dass allein seit August bereits über eine halbe Million Menschen über die Grenzen nach Bangladesch geflüchtet sind. Schwangere Frauen müssen riskante Wege wagen, ohne Nahrung und Wasser und mit nur kurzen Ruhepausen. Aber auch in den bereits dicht besiedelten Camps können sie kaum Kräfte tanken.

«Ich hatte während der Wehen nicht genug Kraft, um zu pressen. Das Baby musste an der Hand aus mir herausgezogen werden», schildert die erschöpfte junge Frau die Nacht der schwierigen Geburt. Die Erinnerungen an die darauffolgenden acht Tage erfüllen sie mit Traurigkeit. «Mein Körper war während drei Tagen nicht fähig, Milch zu produzieren. Ich habe meinem Kind abgepackte Kuhmilch gegeben. Und als meine Brustmilch endlich kam, war mein Sohn schon krank. Er war zu schwach, um zu trinken», erzählt Fiza.

Kein Verständnis und keine Ruhestätte
Obwohl man den Bub zu einer mobilen Klinik und von dort ins örtliche Spital überwiesen hatte, überlebte er nicht. «Drei Tage waren wir und mein Mann Shorif* im Spital, aber der Gesundheitszustand des Kindes besserte sich nicht. Als es immer schlimmer wurde, haben sie uns mitten in der Nacht nach Hause geschickt. Am darauffolgenden Tag starb der Bub in unserem Unterschlupf», berichtet Fiza tief berührt. In einer provisorischen Moschee wurde das letzte Gebet für das Kind gesprochen. Shorif sagt: «Es gibt keine Grabstätte im Flüchtlingscamp. Mit Mühe und Not haben wir einen Platz bei einer lokalen Moschee gefunden. Erst Tage später konnte ich mein Kind begraben.» Es fällt Shorif schwer, zu verstehen, weshalb sein Sohn starb. Mit Tränen in den Augen erzählt Fiza: «Während zehn Monaten war das Baby in meiner Gebärmutter. Er war so friedlich. Als er auf die Welt kam, konnte ich sehen, er hatte das Gesicht seines Vaters. Wir wollten ihn Anaj nennen... Nur eine Mutter kann verstehen, wie schmerzvoll es ist, ein Kind zu verlieren.»

Rund ein Fünftel aller Flüchtlinge sind schwangere oder stillende Mütter. Wie Fiza kommen sie erschöpft und ausgehungert in den Flüchtlingscamps in Bangladesch an. Nebst Nahrungsmittelhilfe erhalten über 115‘000 Flüchtlinge u. a. Unterstands-Kits und Zugang zu psychologischer Hilfe.

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*Namen von der Redaktion geändert.

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