Aus der extremen Armut: Eine Familie kehrt ins Leben zurück

23. Oktober 2020

Ruanda: Ein Mann erklärt einer Frau an einer Nähmaschine, wie man richtig näht.

Robert Niyigena (rechts) und seine Mitarbeitenden stellen Schuluniformen her. Verkauft werden diese in seinem Geschäft, das dank THRIVE floriert.

Text: World Vision Schweiz

In 2015 haben sich führende Politikerinnen und Politiker aller Nationen im Rahmen der 17 Ziele für Nachhaltige Entwicklung dazu verpflichtet, extreme Armut bis 2030 zu überwinden. Diese Agenda 2030 ist Ausdruck der weltweiten Hoffnung und Anstrengungen, extreme Armut noch zu unseren Lebzeiten vollständig zu überwinden. World Vision arbeitet an vorderster Front an der Erreichung dieses Ziels: Wir unterstützen unter anderem Kleinbauern mit Gerätschaften und Weiterbildungen dabei, selbstbestimmt die Spirale der Generationsarmut zu durchbrechen, die ihre Familien bisher zurückgehalten hat.

In den letzten 25 Jahren ist die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben, von 35 Prozent der Weltbevölkerung auf weniger als 10 Prozent gesunken. Die Entwicklung ist positiv, doch 1 von 10 Menschen weltweit lebt immer noch in extremer Armut und muss mit 1.90 Dollar pro Tag oder weniger auskommen.

Kleinbauern und ihre Familien machen zwei Drittel der rund 736 Millionen Menschen aus, die weltweit in extremer Armut leben. Diese extreme Armut beraubt Kinder und Familien ihrer Bildung, ihrer Gesundheitsfürsorge und nimmt selbst Bauern ihre Nahrung.

World Vision unterstützt die Ziele für eine nachhaltige Entwicklung bis 2030 und treibt dafür Initiativen voran, die bis 2030 zur Beseitigung der Armut überall und in allen Formen beitragen. Diese Arbeit von World Vision umfasst Massnahmen für:

  • 4 Millionen Kleinbauern und ihre Familien zum Aufbau einer verbesserten und gesicherten Lebensgrundlage
  • 10 Millionen Menschen für nachhaltigen Zugang zu Wasser, Sanitäranlagen und Hygiene
  • 4 Millionen Mütter und ihre Kinder zum Schutz vor vermeidbaren Todesfällen

Dafür hat World Vision ein innovatives Programm namens THRIVE ins Leben gerufen. THRIVE steht für «Transforming Household Resilience in Vulnerable Environments» und richtet sich an Kleinbauern und Kleinunternehmer. Das Programm hilft ihnen, neue Perspektiven zu entdecken, verschafft Zugang zu Finanzdienstleistungen und unterstützt Männer und Frauen dabei, sich aus extremer Armut zu befreien.

Wie funktioniert dieser Ansatz konkret? Die Geschichte der Familie von Robert und Esperance in Ruanda zeigt, was THRIVE bewirken kann.

Raus aus der Armut

Robert und seine Familie leben in einer ländlichen Region Ruandas. Er hatte bisher grosse Schwierigkeiten, die 1.75 Dollar täglich für den Unterhalt seiner Familie aufzubringen. Zwar besass er eine Kuh und eine Nähmaschine, an der er gelegentlich Auftragsarbeiten für andere nähte, aber das reichte einfach nicht zum Leben.

«Unser Leben war nicht leicht», berichtet Robert. «Unser Haus war marode, das Dach war undicht. Wir hatten nie genug zu essen. Es war jedes Mal ein Kraftakt, Uniformen und Schulmaterial für meine Kinder zu kaufen.»

Ruanda: Eine Mann erklärt seinen Mitarbeitenden an den Nähmaschinen wie man Uniformen näht.
Robert in seinem Element: Er weiss, wie man Uniformen näht und gibt sein Wissen gerne weiter.

THRIVE ermöglichte Robert die Teilnahme an einer Weiterbildung für Kleinunternehmer. «Dort habe ich gelernt, wie wir den Fluss der Armut überqueren können. Für diesen Weg müssen wir erst unsere Chancen erkennen», erklärt er.

Zusammen mit seiner Frau Esperance besprach er, welches Kapital ihnen zur Verfügung stand. Robert erläutert, warum: «World Vision hat uns gezeigt, dass unser Kapital unser Wissen und unsere Ressourcen sind. Das einzige Kapital, das ich hatte, war die Kuh.»

«Die Weiterbildung weckte neuen Mut in mir», so Robert, «und ich wagte den Schritt zu einem Beruf, der mich inspiriert - die Schneiderei». Trotz des grossen Risikos verkaufte die Familie ihre Kuh, um eine zweite Nähmaschine zu erwerben.

Robert stellte eine Schneiderin ein, mietete einen Standplatz auf dem Markt, um dort seine Kleidung zu verkaufen, und schloss sich einer Spargruppe von World Vision an. In acht Monaten konnte er so sein Einkommen verdoppeln und bringt jetzt 3.50 Dollar pro Tag nach Hause. Die Familie konnte seitdem ihre marode Hütte abreissen und ein Haus mit wasserdichtem Dach bauen.

Esperance ist überzeugt, dass dieser Wandel von grosser Bedeutung für ihre Familie war. «Wir haben heute genug zu essen. Unsere Kinder sind gut ernährt», berichtet sie. «Wir haben Dinge erreicht, die wir uns gar nicht vorstellen konnten.»

Eine Gruppe arbeitet an neuer Kleidung an ihren Nähmaschinen.Robert bei der Arbeit und umgeben von seiner Familie.

Auch die Ehe von Robert und Esperance läuft nun besser. «Jetzt sind wir unabhängig und machen uns keine Sorgen mehr über die Zukunft. Dadurch haben die Spannungen zwischen uns abgenommen. Ich kann mich mehr um die Bedürfnisse meiner Frau kümmern und unsere Liebe füreinander blüht wieder auf.»
 

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