Angola: vom Besetzer zum Besitzer

1. September 2017

Bauer in Angola hält Grundstückurkunde in der Hand.

Stolz hält Landwirt Alegria die Urkunde, die sein Grundbesitz ausweist, in den Händen.

Die FamilieAlegria Bambi, 53, wohnt im Dorf Kandona im Zentrum Angolas. Schon sein ganzes Leben ist er Kleinbauer. Er bearbeitet einen kleinen Acker, wo er Mais, Maniok, Süsskartoffeln, Ingwer, Erdnüsse und vieles anderes anpflanzt. Obwohl das Stück Land schon seit vielen Generationen in Familienbesitz ist, gehörte ihm das Grundstück offiziell gar nicht. Wie in vielen anderen Regionen Afrikas obliegen die Zuteilung der Ländereien und die Bestimmungen der Dorfgrenzen den Dorfältesten. Diese können sich aber, je nach Bedarf der einzelnen Familien und verfügbarer Ackerfläche, stetig ändern.

Weit mehr als nur Erde

Alegria erzählt: «Ich wurde auf diesem Stück Land geboren und grossgezogen. Es gehörte schon meinem Urgrossvater. Meine Familie wohnt hier seit 1940; ich fühle mich als Teil dieses Landes.» Für Millionen von Familien, die im ländlichen Angola leben, ist der Zugang zu Land von äusserst wichtiger Bedeutung. Grund zu besitzen bedeutet für diese Menschen weit mehr als nur Vermögen. Neben dem wirtschaftlichen Wert hat Land auch eine soziale und kulturelle Komponente: Es bedeutet Heimat, Schutz und Erbe, welches bereits schon von den Vorfahren an weitere Generationen hinterlassen wird. Einem Haushalt ohne Landbesitz droht die Gefahr, keine Nahrungsmittelsicherheit zu haben, worunter die Kinder am meisten leiden. Die Jugendlichen werden dazu gezwungen, in die Stadt zu ziehen, weil es ohne Grundbesitz für sie keine Perspektiven in den ländlichen Gebieten gibt.

Weit mehr als nur Papier

Alegria wusste, dass sein Land eigentlich im Besitz des Staates ist, aber es war ihm unklar, dass er es zurückfordern konnte. Zusammen mit der Europäischen Kommission hat World Vision ein Projekt lanciert, welches sich nicht nur um die öffentliche Beurkundung von Landbesitz kümmert, sondern auch um die Verbesserung der Nahrungsmittelsicherheit in Zentralangola. Die World Vision-Mitarbeitenden haben die lokale Regierung, die Dorfbevölkerung und –älteste sowie weitere Akteure zusammengebracht, um die Landparzellen offiziell aufzuteilen. Auch die Bewohner von Kandona waren Teil des Projektes. 84 Familien mit 154 Kindern besitzen heute eine öffentliche Urkunde über das Land, welches schon seit Generationen ihr Zuhause ist. Der World Vision-Projektmitarbeiter Domingos Camalata meint: «Das Zusammenkommen und Aufteilen des Landes hat in Kandona sehr gut geklappt. Die Dorfmitglieder haben grosses Interesse am Projekt gezeigt und waren begeistert über die Möglichkeit, ihr Land offiziell einzutragen.»

Bis Ende 2017 werden neben Alegrias Familie weitere 80‘000 Menschen aus 140 Dörfern ihren Landbesitz offiziell eintragen können.  

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