Aluel kämpft für ihre Rechte – und die aller Frauen

30. August 2021

Südsudan: Eine Schülerin schreibt in ihr Schulheft.

Viele von Aluels Mitschülerinnen brechen die Schule nach der fünften Klasse ab. Meist, weil das vom Umfeld verlangt wird.

Text & Bilder: Scovia Faida Charles, Communications Coordinator World Vision 

«Noch bevor die Covid-19-Pandemie ausbrach, wurde ich von Verwandten und meiner eigenen Familie stark unter Druck gesetzt, meine Ausbildung abzubrechen und zu heiraten. Aber ich habe mich nicht beirren lassen und bin weiter zur Schule gegangen», sagt die 17-jährige Aluel. Sie möchte eines Tages Anwältin werden.

Die Pandemie zerstörte Familien und verschlimmerte die Situation in den südsudanesischen Gemeinden, was sich auch auf das Leben vieler Mädchen wie Aluel auswirkte. «Wäre das Coronavirus nicht gewesen, hätte meine Schule nicht geschlossen und wäre ich nicht untätig zu Hause rumgesessen», meint Aluel. Hätte die Schule nicht geschlossen, hätte sie heute bestimmt kein kleines Kind, da ist sich Aluel sicher.

Südsudan: Eine junge Mutter hält ihr Kind in ihren Armen.Ein Kind ist für Aluel kein Grund, sich nicht mehr weiterbilden zu können. Damit will sie ein Vorbild sein für andere Frauen mit dem gleichen Schicksal.

Sie sagt: «Die Mehrheit der Mädchen aus meiner Gemeinde schliesst die fünfte Klasse nicht ab, weil sie von ihren Verwandten unter Druck gesetzt und ermutigt werden, früh zu heiraten. Zehn Jahre nach der Unabhängigkeit des Landes habe ich immer noch nicht das Gefühl, dass die Probleme von Mädchen vorrangig behandelt werden.»

Aluel ist der Meinung, dass viele dieser Probleme, die das Wohlergehen und die Zukunft der Mädchen gefährden, sogar noch schlimmer geworden sind. «Ich weise darauf hin, dass kein Mädchen zurückgelassen werden darf.»

Dorfchef Sultan Piendit, der Vorsitzende des gemeindebasierten Kinderschutzkomitees in Gogrial West, erzählt: «Seit 2019 haben mindestens 463 Mädchen die Schule abgebrochen. Es können noch mehr sein, falls sie nicht einmal gemeldet wurden.»

Die Mehrheit der Mädchen in seiner Gemeinde schliesst die fünfte Grundschulklasse nicht ab, weil sie von ihren Verwandten unter Druck gesetzt und ermutigt werden, früh zu heiraten.

«Wir arbeiten als Teil des Schutzkomitees unermüdlich daran, dass Mädchen wie Aluel dazu ermutigt werden, nach dem Schulabbruch wieder zur Schule zu gehen. Eltern warnen wir davor, ihre Kinder zu einer frühen Kinderheirat zu zwingen», fügt Sultan Piendit hinzu.

Nach Angaben von Aluel war ihr Vater wütend über die Schande, die sie über die Familie brachte, als sie schwanger wurde. Er war entschlossen, sie zu verheiraten, sobald das Baby geboren war, aber das Kinderschutzkomitee intervenierte und überzeugte ihn, sie wieder zur Schule zu schicken.

Gemeinsam für Frauenrechte

Heute ist Aluel eine Fürsprecherin in ihrer Gemeinde und erzählt: «Ich spreche mit jungen Mädchen und erzähle ihnen meine Geschichte als Beispiel. Ich ermutige sie, gut zu lernen, um eine bessere Zukunft zu haben. Ich muss heute arbeiten und Geld verdienen, um mich und mein Baby zu ernähren.» Ihr Vater hat sich geweigert, sie zu unterstützen, und Aluel will nun beweisen, dass sie es schaffen kann.

«Regierung und Organisationen sollten zusammenarbeiten und eine wirksame Strategie entwickeln, um Mädchen und Jungen vor einer frühen Heirat zu schützen. Mit Unterstützung können auch junge Mütter wieder in die Schule geschickt werden», sagt Sultan Piendit.

 Südsudan: Ein Mitarbeiter von World Vision klärt eine Frau über ihre Rechte auf.Ein Mitarbeiter von World Vision klärt Aluel über ihre Rechte auf und ermutigt sie, ihre Zukunft in die eigenen Hände zu nehmen. Zuspruch, den sie von ihrem Umfeld nicht bekommt.

«Seit die Kinderschutzkomitees 2018 ins Leben gerufen wurden, sensibilisieren sie die Menschen in ihren jeweiligen Orten für Kinderrechte, Aufklärung und Prävention von Missbrauch und geschlechtsspezifischer Gewalt», sagt James Ring Ring, Education and Protection Manager bei World Vision im Warrap State.

Das Kinderschutzprojekt von World Vision im Bundesstaat Warrap unterstützt neun Komitees im Bezirk Gogrial West. Jedes Komitee besteht aus neun Mitgliedern, die sich aus Gemeindeleitern, Stammesoberhäuptern, Eltern und Lehrern, Frauen, Jugendlichen, Polizisten und religiösen Führungspersönlichkeiten zusammensetzen.

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