Alphabetisierungstag: Die (Ohn-)Macht der Schrift-Sprache

8. September 2017

Jeet und Urmila haben grossen Spass im Lese-Camp und freuen sich über die vielen schönen Geschichten

Analphabetismus gibt es nur in weniger entwickelten Ländern, oder? Weit gefehlt! In der Schweiz haben rund 800‘000 Personen zwischen 16 und 65 Jahren grosse Mühe mit Lesen und Schreiben. Diese Schwäche geben sie nur ungern zu, doch sie beeinflusst ihren Alltag stark; von Kurznachrichten schreiben über Protokolle führen bis hin zu Geburtstagskarten oder Bewerbungsschreiben verfassen. Weltweit sind 758 Millionen Menschen von Analphabetismus betroffen – mehr Menschen als die Gesamtbevölkerung Europas.

Um dem entgegenzuwirken, setzt World Vision in seiner weltweiten Projektarbeit verschiedene Massnahmen für Eltern, Kinder und Lehrpersonen um. In Nepal beispielsweise werden ausserschulische Aktivitäten angeboten, die nicht nur die Lesefähigkeit, sondern auch den Spass am Lernen fördern sollen.

Auch am Wochenende wird gerne gelernt
Es ist Samstag und alle Schulen im Sindhuli Distrikt in Nepal sind geschlossen. Einzig im abgelegenen Dörfchen Tinkanya findet man einige Kinder, die in ihrer Schuluniform unterwegs sind. Kichernd voller Vorfreudeerreichen sie das Gemeindezentrum. Ausser den grünen Hügeln und dem stahlblauen Himmel ist meilenweit nichts zu sehen. Aber die Kinder sind nicht wegen der schönen Aussicht hier: Sie sind Teilnehmende eines Lese-Camps. Bimala Magar, die Lese-Camp-Koordinatorin, heisst alle Kinder mit einem breiten Lächeln willkommen. Innerhalb des Gebäudes hängen viele farbige Plakate an den Wänden. Auf manche wurde das nepalesische Alphabet, auf andere Kinderlieder gemalt. Sobald sich alle Schüler eingerichtet haben, erklärt Bimala den Tagesablauf: «Heute werden wir singen, tanzen, Spiele spielen, Geschichten lesen und neue Wörter lernen».

Vielfalt und Farbe machen den Unterschied
Unter der Schar von Kindern befindet sich auch die sechsjährige Urmila, eine Erstklässlerin. Nebst Zeichnen mag sie es, Geschichten zu lesen. Sie meint: «Es macht mir grossen Spass, ins Lese-Camp zu kommen, weil ich hier interessante Geschichten lesen kann, die wir bei uns in der Schule nicht haben. Ausserdem darf man hier die Bücher ausleihen und sie Zuhause lesen. Es ist echt klasse, hier zu sein!» Urmilas persönliche Lieblingsgeschichte ist «Harke Hatti». Dabei geht es um einen Elefanten namens Harke, der auf der Suche nach einem Spielgenossen ist. Urmila kann die Geschichte nicht oft genug lesen. «Dieses Buch hat auf jeder Seite farbige Bilder, was das Lesen umso interessanter macht», erklärt Urmila freudig.

Mehr Leseratten dank innovativem Ansatz
World Vision hat in ganz Nepal solche Lese-Camps ins Leben gerufen, damit die Lesefähigkeit der Erst- bis Drittklässler verbessert wird. Die interessierten Schüler und Schülerinnen treffen sich jeden Samstagmorgen und fangen um sieben Uhr mit dem Unterricht an. «Die Lese-Camps sind ein innovativer Ansatz, um Primarschülern durch Lieder, Tänze, Kunst, Spiele und verschiedenem visuellen Material den Lesestoff weiterzugeben. Weil es so abwechslungsreich ist, fasziniert es die jungen Köpfe und erregt ihr Interesse. Ich bin sehr froh, dass World Vision diesen Modell-Ansatz durchführt, welcher nicht im Schullehrplan zur Verfügung steht», sagt Bimala. Bis heute hat World Vision im Sindhuli Distrikt 48 Lese-Camps eingerichtet, wovon rund 1‘000 Kinder profitieren.

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