ALLE 10 SEKUNDEN WIRD EIN MÄDCHEN BESCHNITTEN

6. Februar 2018

Frau in Kenia vor einer Wand

Die ehemalige Beschneiderin Naimadu erzählt von ihrer Vergangenheit und wie sie heute über Mädchen-Beschneidung denkt.

«Es gab mir ein gutes Gefühl zu wissen, dass Mädchen beschnitten sind», erzählt die ehemalige Beschneiderin Naimadu. «Mit diesem Akt wurden Frauen in unserem Umfeld gewürdigt und geehrt.» Die ältere Frau, die selbst nicht weiss, wann genau sie geboren wurde, hat vor über 10 Jahren ihren Job als Beschneiderin aufgegeben. Sie schätzt, dass sie über 40‘000 Mädchen im Laufe ihrer Karriere als traditionelle Beschneiderin verstümmelt hat – alle mit der gleichen Klinge!

Eine schmerzhafte Tradition
Naimodu erzählt, dass ihre Hände für 20 Jahre an diese Praktik gebunden waren, die Teil des Übergangsritus eines Mädchens zur Frau sind. «Die Zeremonie begann mit dem Brauen eines traditionellen Biers. Danach wurde das Mädchen beschnitten, dass Bier getrunken und das junge Mädchen verheiratet.. Die Beschneiderinnen wurden jeweils von der Dorfgemeinschaft ausgesucht und übernachteten beim jungen Mädchen, das beschnitten werden sollte. «Früh morgens wurde dann die kulturelle Tradition unter der Anwesenheit von drei Frauen praktiziert und die Wunde des beschnittenen Mädchens mit Butter beschmiert. Es war sehr schmerzhaft für die Mädchen. Sie schrien und wurden mit Seilen gefesselt, damit man die Beschneidung vollziehen konnte», erinnert sich Naimodu traurig und «wenn nicht alles gut lief, mussten die Mädchen sogar noch ein zweites Mal hinhalten, damit wirklich alles entfernt war.»

Eine «bekehrte» Beschneiderin
Die Seniorin ist glücklich darüber, dass sie nichts mehr mit Beschneidung zu tun haben muss. Wenn sie heute in ihrem Dorf angefragt wird, droht sie der bittstellenden Person mit einer Anklage. Sie hat sich sogar gegen ihre Enkelin aufgelehnt, als diese sich freiwillig der Praktik unterziehen wollte. Naimodu ist sich bewusst, dass ihre Eltern und die Menschen früher noch nichts über die Folgen einer Beschneidung wussten – heute sieht sie diese Tradition aber als «eine dumme Idee». Nebst den unendlichen Qualen ist ihre grösste Sorge, dass sich dadurch der HIV-Virus weiter verbreiten wird.

«Eines von fünf Mädchen in Kenia wurde beschnitten», berichtet World Vision Kenias ehemaliger Nationaldirektor Dickens Thunde. Auch wenn sich die Rate gegenüber dem Vorjahr verbessert hat, bleibt noch viel zu tun. World Vision gründet deshalb sogenannte «Safe Houses», wo Mädchen, die befürchten, beschnitten zu werden, hin fliehen können. «Die ‹Safe Houses› beschützen die Mädchen nicht nur vor der Beschneidung, sondern auch vor der darauffolgenden Heirat, die diese traumatische Prozedur nach sich zieht», erklärt Dickens Thunde.

Mit einer Kinderpatenschaft bei World Vision Schweiz unterstützen Sie auch den Arbeitsbereich Kinderrechte + Kinderschutz, mit welchem Mädchen und Buben vor schädlichen Praktiken geschützt und die Eltern sowie das ganze Umfeld für die Rechte der Kinder sensibilisiert werden.

 

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