Professionell und mit Herz

20. April 2018

Bolivianische Familie mit World Vision Mitarbeiter

Schwer zu ertragende Begegnung: Emile Stricker (M.) lernt in Cochabamba Davis kennen, der mit erst 8 Jahren an Leukämie leidet. Die Therapie kostet wöchentlich 350 Franken und ist für seine vierfachen Eltern unerschwinglich...

So gelang es mir in gewissen Situationen nicht, über meinen Schatten zu springen, wenn zum Beispiel meine Sitznachbarin während der Vorstellung im Theater einen Handyanruf entgegennahm, oder wenn ein Auto hupend auf mich zu fuhr, während ich, wohlgemerkt auf dem Fussgängerstreifen, die Strasse überqueren wollte. Nach meiner schweizerischen Vorstellung dürften gewisse Dinge einfach nicht möglich sein – eine gute Gelegenheit für mich, ertragen zu lernen, dass meine Mitmenschen manchmal anders handeln, als ich es für richtig halte.

Als Verantwortlicher unserer Entwicklungsprojekte in Lateinamerika habe ich jede Gelegenheit genutzt, um bei der Programmarbeit von World Vision dabei zu sein. Ich habe Patenkinder besucht, an Schulungen zu Kinderschutz teilgenommen, Jugendliche aus unseren Programmen zur Jugendkommission von Cochabamba begleitet. Ich habe Behindertenorganisationen koordiniert oder das Büro der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit des Bundes in La Paz besucht.

Die vielschichtige Programmarbeit meiner lokalen Kolleginnen und Kollegen drei Monate lang mitzuerleben, hat mir auch tiefe Einblicke in die gesellschaftlichen und politischen Realitäten und Entwicklungen im Land verschafft. In dieser intensiven Form die von World Vision Schweiz in Bolivien unterstützten Projekte zu begleiten, birgt enorm viele Chancen. Bei meinen zuvor üblichen Länderbesuchen von maximal zwei Wochen Dauer ist das zu absolvierende Programm jeweils so gedrängt, dass ich das Erlebte und die Gespräche nicht optimal aufarbeiten und nutzen kann.

Der widerwärtigen Vergangenheit trotzen
Am meisten beeindruckte mich, wie eigenständig und kompetent die in den letzten Jahren von World Vision geschulten Kleinbauern im Andenhochland mit den Auswirkungen des Klimawandels umzugehen wissen. Sie verkaufen ihr qualitativ hochstehendes Saatgut zusammen mit ihren Fachkenntnissen an Bauern in anderen Distrikten. Am bedrückendsten waren die Gespräche im Programmgebiet Lomas mit Jugendlichen am Übergang ins Berufsleben: Die Einschränkungen durch ihr Umfeld in zerrütteten Familien, bescheidener Bildung im Elternhaus, Armut und Gewalt stehen im krassen Widerspruch zu ihrer Entschlossenheit, zu verändern, zu studieren und etwas Wertvolles aus ihrem Leben machen zu wollen – zum eigenen Wohl und in sozialer Verantwortung.

Als Programmverantwortlicher für die Entwicklungsprogramme in Lateinamerika bei World Vision Schweiz bewege ich mich zwischen zwei Kulturen und vermittle zwischen zwei Welten. Meine Aufgabe ist es, möglichst nahe bei den Realitäten unserer Projekte zu sein und zu verstehen, was dort funktioniert und warum welche Widrigkeiten auftreten. Meine Vermittlung besteht darin, dass ich diese Realitäten für die Spender in der Schweiz interpretiere.

In die andere Richtung vermittle ich den Mitarbeitenden von World Vision Bolivien, dass die Schweizerinnen und Schweizer mit ihrer Spende bestimmte Erwartungen verbinden, was damit erreicht werden kann. Und es wichtig ist, dass sie in Bolivien uns in der Schweiz helfen, gegenüber unseren Spendern sichtbar und nachvollziehbar zu machen, welche Wirkung dank ihrem Engagement entstanden ist.

Nach meinem dreimonatigen Aufenthalt habe ich heute mehr Respekt denn je für das enorme persönliche Engagement und die grosse Weisheit, mit der die einheimischen Mitarbeitenden bei World Vision Bolivien ihren Job machen: Professionell und mit Herz. Hasta luego amigos!

 

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