BANGLADESCH: WEIT ENTFERNT VON WÜRDE UND RECHT

28. September 2018

Roland Diethelm besucht das Flüchtlingslager der Rohingya in Bangladesch. In der Kinderschutzzone können Kinder und Jugendliche schwierige Erlebnisse verarbeiten und Hoffnung schöpfen.

Im Touristenort Cox’s Bazar ganz im Süden von Bangladesch haben viele Hilfsorganisationen ihren logistischen Stützpunkt eingerichtet, um die Flüchtlinge aus Myanmar zu betreuen. Bis zum Flüchtlingslager, wo World Vision wirkt, sind es noch 30 km. Doch mit dem alltäglichen Gewusel von Rikschas, Lastwagen, Tuktuks und Landcruisern auf den eigentlich einspurigen Strassen wird die zweistündige Fahrt für die humanitären Mitarbeiter zur zeitfressenden und nervenraubenden Tortur.

Dicht an dicht stehen die notdürftigen Unterkünfte der Flüchtlinge.

Leben ohne Identität und Wahlmöglichkeit
Und dann tauchen die ersten Camps am Horizont auf. Die einfachen Behausungen der Familien sind dichtgedrängt auf Erdhügeln, Abhängen und in Tälern, notdürftig mit Wellblechdächern gegen den Monsunregen geschützt. Hie und da ragt eine Solarstrassenlampe über die Dächer hinaus. Auf den Dächern liegen kleine Solarzellen zum Aufladen, um in der Nacht die Dunkelheit in den Hütten zu überwinden und etwas mehr Sicherheit zu bieten. Die einheimische Bevölkerung betreibt kleine Kiosks, um selber mit den Einnahmen über die Runden zu kommen. Doch viele Flüchtlingsfamilien haben nach einem Jahr ohne Einkommen kein Geld mehr. Und nicht nur das, sie leben zwar in relativer Sicherheit, sind nun aber gezwungen, ein Leben ohne Wahlmöglichkeiten zu führen, ohne Identität und Anerkennung.

Im Ernährungszentrum werden unterernährte Mütter und Kinder betreut.

Der alltägliche Kampf ums Überleben
Hilfsorganisationen decken die dringendsten Bedürfnisse ab. Die Familien sind jeden Tag damit beschäftigt, herauszufinden, bei welcher Organisation sie was erhalten und wie sie dazukommen – alles verbunden mit langen Wartezeiten. Viele Frauen und Kinder werden untergewichtig, weil sie zu wenig und zu einseitig essen. World Vision betreibt in einem Lagerbereich 12 Ernährungszentren für 45'000 Menschen. Eine Ärztin konnte für die Betreuung der Zentren gewonnen werden. Nun arbeitet sie zusammen mit den Gesundheitshelfern in der glutheissen Klinik ohne Airconditioning, um den Menschen in ihrer Not zu helfen.

Pellets aus Reisspelzen sind ein nachhaltiger und ergiebiger Brennstoff.

Warme Mahlzeiten mit nachhaltigem Brennmaterial
Brennholz ist in den Flüchtlingslagern rar geworden. Doch für eine gesunde Ernährung ist es wichtig, Mahlzeiten kochen zu können. World Vision hatte die Idee, den Familien nicht Holz, sondern gepresste Reisspelzen mit hohem Brennwert abzugeben. Denn die Reisspelzen fallen bei jeder Reisernte an und sind somit eine nachhaltige Ressource.

Im Kinderhort lernen die Kinder bei Spiel und Spass.

Einfach Kind sein dürfen
Während die Eltern für die Registrierung und Verteilung Schlange stehen, dürfen die Kinder in einem temporären Kinderhort spielen, singen, lachen und einfach Kind sein. Dann zeigen sie ihren Eltern stolz, was sie bei Spiel und Spass gelernt haben. Das bringt ein Stück Normalität in ihren Alltag.

Roland Diethelm spricht in der Kinderschutzzone mit Jugendlichen über ihre Wünsche und Träume.

Schulbildung – das verweigerte Grundrecht
Mich persönlich macht es sehr betroffen und wütend, dass den Rohingya-Kindern eine reguläre Schulbildung in den Flüchtlingslagern verwehrt bleibt. Ihr Grundrecht auf Schulbildung wird ihnen geraubt, und damit auch die Möglichkeit, später ein Leben ausserhalb der Armut führen zu können. Einige Hilfsorganisationen nutzen jede Möglichkeit, ausserschulischen Unterricht in einer regelmässigen Form anzubieten. So auch World Vision. Die Kinderschutzzonen sind deshalb viel besuchte und geschätzte Einrichtungen. Sie bieten den Kindern und Jugendlichen mit verschiedenen Programmen einen Teilersatz für das fehlende Schulsystem. Will man für mehr Hoffnung, das Recht auf Selbstbestimmung und Würde kämpfen, so ist der Zugang zu qualitativer Bildung für den Überlebenskampf der Rohingya ebenso wichtig wie genügend Nahrung.

Die Flüchtlinge in Bangladesch brauchen weiterhin dringend Ihre Unterstützung. Dank Ihnen können wir den Familien Nothilfe leisten, Wasser- und Hygieneeinrichtungen installieren sowie Schutzzonen für Kinder und junge Frauen einrichten.

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