Die Millenniumsziele sind Geschichte, das Zeitalter der Nachhaltigen Entwicklungsziele hat (fast) begonnen. Ab dem 1. Januar 2016 werden uns die SDG während 15 Jahren begleiten.


193 Staaten haben dieses Wochenende in New York die neuen Entwicklungsziele verabschiedet.

193 Staaten haben dieses Wochenende in New York die neuen Entwicklungsziele verabschiedet.

Mit der Verabschiedung der SDG wurde an diesem Wochenende ein Stück Geschichte geschrieben: Niemals zuvor gab es eine solche globale Vereinbarung. Die nachhaltigen Entwicklungsziele fokussieren nicht mehr nur auf Entwicklungsländer, wie damals die Millenniumsziele. Erstmals gibt es auch für Schwellenländer und Industriestaaten Vorgaben zur Entwicklung. Somit werden quasi alle Staaten zu Ländern, die sich weiter entwickeln. Auch in der Schweiz braucht es die Zusammenarbeit von Zivilgesellschaft, Privatwirtschaft und Regierung, um eine nachhaltige Zukunft zu gestalten.

Die Schweiz mit Fokus auf Geschlechtergleichstellung
Wie diese Entwicklung konkret aussehen könnte, erklärte Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga, welche die Schweiz an der UN-Vollversammlung vertritt, im Plenum. So wolle man hierzulande die Lohndiskriminierung beseitigen, die Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben erleichtern und häusliche Gewalt bekämpfen. International werde sich die Schweiz weiterhin inhaltlich und finanziell für die Gleichstellung der Geschlechter und die Rechte von Frauen engagieren, erklärte die Bundespräsidentin weiter.

Die Geschlechtergleichstellung vor allem von Buben und Mädchen spielt auch bei der Arbeit von World Vision Schweiz eine entscheidende Rolle. Denn noch werden viele Mädchen, vor allem aus armen Verhältnissen, zusätzlich benachteiligt aufgrund ihres Geschlechts. So sind beispielsweise 60 % aller Jugendlichen, die weder lesen noch schreiben können, weiblich. Dabei würde sich die Investition in die jungen Frauen mehr als nur auszahlen: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind zur Schule geht, wenn seine Mutter selbst die Schule besucht hatte, verdoppelt sich nämlich.

Fehlende Priorisierung ist ein Kritikpunkt
Dieses Beispiel zeigt auch, wie stark vernetzt die einzelnen Ziele miteinander sind und dass es deren alle braucht, um jedem Menschen auf dieser Erde ein Leben in Würde und im Einklang mit der Natur zu ermöglichen. Dennoch können die einzelnen Länder die 17 Nachhaltigkeitsziele in ihrem Kontext unterschiedlich gewichten. Dies hat theoretisch den Vorteil, dass jedes Land seine «grösste Baustelle» angehen kann – was in der Praxis aber auch so enden könnte, dass jene Ziele angegangen werden, welche jeweils am wenigsten aufwendig umzusetzen sind oder wo bereits vorgängig Erfolge erzielt wurden.

Seit mehr als 30 Jahren ist World Vision Schweiz mit langfristiger Entwicklungszusammenarbeit und Katastrophenhilfe in 37 Ländern der Welt tätig. Viele der jetzt in den nachhaltigen Entwicklungszielen genannten Massnahmen setzt die Kinderhilfsorganisation in seinen Projektgebieten gemeinsam mit den Menschen vor Ort schon seit langem um. Während der letzten drei Jahre hat die internationale World Vision-Partnerschaft ausserdem gemeinsam mit vielen anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen und Akteuren an der Ausformulierung der Ziele mitgearbeitet und für die aktive Beteiligung von Kindern und Jugendlichen gesorgt. Nun beginnt für die Hilfsorganisation in diesem Prozess die eigentliche Arbeit: Die Chancen der SDG zu nutzen, weitere Massnahmen umzusetzen und damit extreme Armut und Ungleichheit bis 2030 zu eliminieren.