Alles andere als nur eine kopflastige Konferenz: Mit Spiel und Spass wurden an der CATS-Konferenz im Waadtland Vorurteile und Sprachbarrieren überwunden.


Teilnehmende Kinder an der CATS-Konferenz in Caux

Im waadtländischen Caux versammelten sich Kinder und Jugendliche aus 25 Ländern, um für eine friedvolle und gerechte Gesellschaft einzustehen.

Menschen jeglichen Alters versammelten sich Ende Juli im Zentrum des waadtländischen Kurorts Caux unweit von Montreux unter dem Thema CATS (Children as Actors for Transforming Society). Frei übersetzt im Sinne der Organisatoren: «Kinder als Akteure für eine friedvolle und gerechte Gesellschaft». Die Liste der Delegationen zählt mehr als 25 Länder, sie reicht von Bulgarien über Japan bis zu Zimbabwe. Die Kinder und Jugendlichen sind maximal 18 Jahre alt und werden von betreuenden Erwachsenen sowie Fachleuten aus dem Bildungswesen und der Politik begleitet.

Hauptsächlich wurde Englisch und Französisch gesprochen, Übersetzungen wurden aber wo immer nötig angeboten. So erklärte ein kleiner Junge mit blitzenden Augen in Kannada, seiner Muttersprache, wie sie mit Kinderclubs die Korruption an der Westküste Indiens bekämpfen. In Swahili schilderte ein Mädchen aus Ostafrika, was sie gegen häusliche Gewalt unternehmen können. So wurden in einer Vielfalt von Workshops und Arbeitsgruppen diverse Aspekte von Kinderrechten diskutiert und weitervermittelt.

Und dann waren da noch David (14) und Zghim (16), zwei Vertreter der World Vision-Delegation aus dem Kosovo. Ich wunderte mich, warum die beiden Jungs miteinander Englisch sprachen, obwohl sie aus dem gleichen Land kommen.

Im Kosovo gibt es nämlich Schulen, die in der Mitte geteilt sind und wo jeweils zwei völlig unterschiedlichen Schulplänen nachgegangen wird. So folgt Zghim dem Unterricht auf Albanisch, seiner Muttersprache, und lernt Englisch. Für den Serben David ist die Unterrichtssprache Serbisch, die erste Fremdsprache Russisch; ein Angebot an Albanisch oder Englisch gibt es für ihn nicht. Kennengelernt haben sich die beiden im Sommerlager des Projektes «Kids for Peace», welches World Vision im Kosovo 2002 gegründet hatte. Mit diesem Projekt wird Kindern ein Platz geboten, wo sie trotz verschiedener kultureller Hintergründe zusammen kommen können.

Dies und vieles mehr erläuterten die beiden Jungs im Gespräch mit Julie Ward, einer Abgeordneten im Europäischen Parlament. Dort ist sie Mitglied im Ausschuss für Kultur und Bildung, sowie in der Delegation für die Beziehungen zu Bosnien und Herzegowina und dem Kosovo. Die Anliegen der Kids nahm sie sorgfältig auf.

Wer sich im Vorfeld der Konferenz auf eine kopflastige Konferenz eingestellt hatte, wurde überrascht. Spiel und Spass trugen dazu bei, dass Vorurteile, Sprachbarrieren und andere Grenzen überwunden werden. 

In ungezwungener Art lernte man sich sehr schnell kennen und schätzen. Die Kids befragten mich zur Schweizer Geschichte, den Kantonswappen, unserer Vielsprachigkeit und gar zur Schweizer Garde. Was für uns selbstverständlich ist, liegt für andere Menschen als fernes Ziel ihrer Bemühungen noch weit weg. Wir in der Schweiz sollten unsere Freiheiten, die Vorteile des Rechtsstaats oder unsere demokratischen Möglichkeiten nie als selbstverständlich oder gar als unwesentlich annehmen.