Chandrika (r.) bereitet gerade sein hausgemachtes Curry in seinem Lokal zu. Seine Tochter Renuka (M.) hilft ihm dabei.
Chandrika Prasad aus Butwal, einer Stadt am Fusse des Himalayas, lächelt in die Kamera – es ist ein Lächeln, in dem stets eine Art zufriedene Erleichterung liegt. Zufriedenheit darüber, dass sein Laden brummt: Bis zu 90 hungrige Gäste täglich finden sich bei ihm ein, um sich an frisch zubereiteten traditionellen Snack gütlich zu tun. Und Erleichterung darüber, dass sein einst als «Kamikaze-Unternehmen» belächeltes Start-up mittlerweile sehr erfolgreich läuft.
Chandrika hätte es sich vor 8 Jahren nicht träumen lassen, dass er seine 5-köpfige Familie mal als selbstständiger Unternehmer versorgen würde. Schon gar nicht mit einem eigenen Restaurant – er, der mitten unter Landwirten und Bauernhöfen aufgewachsen ist. So beobachteten ihn seine Nachbarn mit einem Kopfschütteln, als Chandrika mit den Traditionen brach und in einer engen Hütte ein Lokal eröffnete. Wenn von ihm die Rede war, fiel des Öfteren die Bezeichnung «Verrückt».
Sieben magere Jahre
Zu Beginn war es wahrlich nicht einfach, mit den geringen Einnahmen nicht nur den Familienhaushalt, sondern auch die Schulkosten seiner Kinder zu stemmen. «Es waren harte Zeiten», erinnert er sich und fügt dann lächelnd hinzu: «Aber die Dinge änderten sich endlich nach sieben Jahren.» Damals konnte er seine Ladenfläche vergrössern und somit mehr Gäste gleichzeitig bedienen. Möglich wurde dies dank dem Kinderhilfswerk World Vision, das auf den ehrgeizigen Chandrika aufmerksam geworden war, den seine Nachbarn nur belächelt hatten. Mit der Unterstützung von World Vision renovierte Chandrika das Gebäude, kaufte Mobiliar hinzu und erweiterte das Angebot. Dass er mittlerweile fast doppelt so viel verdient wie früher, beweist sein unternehmerisches Geschick. Und er plant, den Laden in Zukunft sogar noch zu erweitern. Dafür legt Chandrika einen Teil seines Profits als Mitglied einer lokalen Spargruppe an.
Vom Patenkind zur Collegestudentin
Aber Chandrika ist nicht nur erfolgreicher Unternehmer, sondern auch stolzer Vater. Seine Tochter Renuka (19), die das College besucht, möchte Lehrerin werden. Wenn sie keine Hausaufgaben hat, hilft sie nach dem Unterricht im Laden aus und kümmert sich gut gelaunt um die Gäste. Früher war Renuka ein World Vision-Patenkind und sie denkt dankbar an diese Zeit zurück. «Mein Pate erzählte mir in Briefen über seine Heimat. Ich schrieb ihm dann zurück und erzählte ihm von meiner Heimat.» Ihr Vater ergänzt: «Sie war immer sehr glücklich über diese Briefe. Und sie glücklich zu sehen, machte mich auch glücklich.» Heute blicken seine Nachbarn zu ihm auf. Und wenn von Chandrika die Rede ist, ist «Inspiration» das Wort, das am häufigsten unter ihnen fällt.