In temporären Tagesstätten leben viele Waisenkinder. Dort werden sie fürsorglich betreut. Die sechsjährige Safiatu verlor praktisch ihre ganze Familie wegen Ebola.
16 500 Kinder sind direkt von der Epidemie betroffen, rund die Hälfte hat einen oder beide Elternteile verloren. Dies lässt ein Bericht der Regierung von Sierra Leone verlauten. Viele von ihnen leben nun in temporären Tagesstätten, die unter anderem von World Vision geführt werden. Die Folgen von Ebola sind vor allem für sie besonders weitreichend: Zahlreiche Kinder, die krank und unterernährt sind, wurden aus Angst vor einer Ansteckung mit dem lebensgefährlichen Virus nicht mehr in Gesundheitsstationen gebracht. «Ebola hat der Gesundheit und den Entwicklungschancen von Kindern einen enormen Tribut abverlangt», sagt Leslie Scott, Geschäftsführer von World Vision Sierra Leone.
Epidemien in Zukunft verhindern
Bereits vor dem Ausbruch von Ebola hatte Sierra Leone einer der höchsten Müttersterblichkeitsraten und die zweithöchste Kindersterblichkeit weltweit. Das fragile Gesundheitssystem des Landes leidet an Fachkräftemangel und fehlenden Arbeitsinstrumenten und Medikamenten. «Die Situation hat sich im vergangenen Jahr weiter verschlechtert», bekennt Scott. An einer internationalen Konferenz der Europäischen Union in Brüssel wird heute unter anderem eine Zwischenbilanz des bisherigen Krisenmanagements gezogen. «Diese Konferenz ist eine Gelegenheit für die Entscheidungsträger, eine gut abgestimmte Unterstützung für den Kampf gegen Ebola und in der Aufbauphase danach zu beschliessen. Wir müssen bei der Bewältigung der Krise sicherstellen, dass das Gesundheitssystem und andere Schlüsselsektoren wie Bildung und Landwirtschaft so aufgestellt werden, dass eine Epidemie wie diese zukünftig verhindert werden kann.» Scott wird an der Konferenz selber auch teilnehmen.
Schulungen für Lehrer
World Vision arbeitet eng mit der Regierung und anderen NGO zusammen, um die Zahl der Neuinfektionen im Land zu senken. Bestattungsteams von World Vision führten bereits mehr als 2 800 sichere und würdevolle Beerdigungen von Ebola-Opfern durch. Zusätzlich bietet das Hilfswerk Schulungen für Lehrkräfte an, damit der Schulbetrieb nach sechs Monaten Ende März wieder aufgenommen werden kann.
World Vision fordert die internationale Gemeinschaft auf, die Unterstützung für die von Ebola betroffenen westafrikanischen Länder zu erhöhen. Parallel dazu muss jetzt mit der wichtigen langfristigen Aufbauarbeit begonnen werden.