Ernährungssicherung
Nahrung global FAIRteilt - unser Teil lokal getan?
Was ist, wenn China mehr isst? Was, wenn Afrikas Ackerland ausverkauft wird? Oder wenn Nahrungsmittel eines Tages zur Kriegswaffe werden? Was nach fiktiven Szenarien klingt, könnte bald bittere Realität werden. Das Hilfswerk World Vision Schweiz engagiert sich mit Nothilfe- und Langzeitprojekten an vorderster Front im Kampf gegen den Hunger. Doch dieser
ist längst nicht mehr nur das Problem einzelner Länder, seine Bekämpfung ist zur weltweiten Herausforderung geworden. Die globalen Zusammenhänge zwischen Bevölkerungswachstum, Welthandel und den Folgen des Klimawandels zu verstehen, ist wichtig. Noch wichtiger aber
ist, unser lokales Konsumverhalten zu hinterfragen.
Alles, was wir tun oder lassen, erhält infolge der Globalisierung weltweite Dimensionen. Früher entstanden Hungerkrisen aufgrund lokaler Wetterereignisse oder Kriege und blieben regional eingrenzbar. Heute aber gelten weltumspannende Zusammenhänge, die auch die Entwicklungszusammenarbeit vor neue Herausforderungen stellen.
Afrika im Ausverkauf
Der fortschreitende Klimawandel bewirkt in den Ländern des Südens gravierende Ernteausfälle, verursacht durch immer häufiger und heftiger wiederkehrende Dürren, Zyklone und Überschwemmungen. Zugleich kaufen boomende Schwellenländer und einige arabische Staaten,
die um die Versorgung ihrer Bevölkerung ringen, ganze afrikanische Landstriche als ausgelagertes Agrarland auf.
Tierisch steigender Fleischkonsum
Zur Verknappung der Landwirtschaftsfläche trägt auch die steigende Nachfrage nach Fleisch und Agrotreibstoffen bei: Zur Fleischproduktion bedarf es der 11- bis 17-fachen Energiemenge an Futtergetreide. Damit beansprucht die Tierzucht zusätzlich zum Weideland Milliarden von Hektaren, die den Menschen zum Lebensmittelanbau fehlen. Den gleichen Effekt hat das rasant steigende Interesse an Agrotreibstoffen: Aufgrund schwindender Ölressourcen wird vermehrt wertvolles Ackerland für den Anbau von Zuckerrohr, Mais oder Soja genutzt. Diese bedenklichen Entwicklungen zwingen viele arme Länder dazu, immer mehr Grundnahrungsmittel wie Reis oder Getreide zu importieren. Die Verschuldungsspirale ist aufgrund der steigenden Nahrungsmittelpreise vorprogrammiert. Wenn aber Essen ein Menschenrecht ist, stellt sich die ethische Grundfrage, ob Nahrungsmittel überhaupt an internationalen Rohstoffbörsen gehandelt werden dürften.
Hungernde Hirne denken an Krieg
Gerät aber die faire Nahrungsverteilung aus den Fugen, so droht auch das Todeskarussell von Hunger und Krieg die Richtung zu wechseln: Während Hungersnöte bisher als Folge von Kriegen entstanden, könnten in Zukunft Nahrungsmittel derart umkämpft sein, dass Hunger zu bewaffneten Konflikten führt. Nahrung könnte von einer Lebensgrundlage zu einem politischen Machtin-
strument verkommen. Dies wäre ein weiterer destabilisierender Faktor für viele leidgeprüfte Staaten des Südens, die bereits heute mit den verheerenden Auswirkungen von Mangelernährung kämpfen. Denn Hunger hat nicht nur körperliche Schwächung zur Folge, auch das Gehirn entwickelt sich schlecht. In den ohnehin schon benachteiligten Teilen der Welt wächst damit eine Generation heran, deren physische, geistige und psychische Entwicklung stark gehemmt ist. Solche Menschen sind schlecht gewappnet, um ihre Länder in eine bessere Zukunft zu führen.
Unser lokaler Beitrag
Heutige Entwicklungsbemühungen stellen klar nachhaltige landwirtschaftliche Massnahmen ins Zentrum. Doch auch durch unser lokales Konsumverhalten können wir einen wertvollen Beitrag zu einer fairen Nahrungsverteilung leisten.
4 Tipps für den lokalen Lebensmitteleinkauf
Am besten schmeckt...
- LOKAL: Wenn wir weltweit lokal geniessen, können sich Entwicklungsländer von vielfältigen Eigenprodukten ernähren, anstatt Monokulturen für den Export anzulegen.
- SAISONAL: Feine Menüs lassen sich auch ohne exotische Importprodukte zaubern, deren Transport um die halbe Welt unnötig Energie verschlingt.
- FAIR TRADE: Fairer Handel verhindert Ausbeutung und stabilisiert die Mindestpreise. Achten wir auf entsprechende Labels.
- BIOLOGISCH: Der Anbau ohne Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger vermeidet Umweltbelastungen und schont die Böden.
Quellen:
- IPCC (2007), Climate Change 2007: Impacts, Adaptation and Vulnerability, http://www.ipcc.ch/ipccreports/assessments-reports.htm, S.283f
- L. Cotula, S. Vermeulen, R. Leonard, J. Keeley (2009), Land Grab or Development Opportunity? http://www.ifad.org/pub/land/land_grab.pdf
- D. Nierenberg (2005), Happier Meals: Rethinking the Global Meat Industry, World Watch Paper 171, http://www.worldwatch.org/node/819
- FAO (2008), The State of Food and Agriculture 2008, http://www.globalbioenergy.org/uploads/media/0810_FAO_-_SOFA08.pdf, S. 72ff
- Internationaler Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (2008), http://www.admin.ch/ch/d/sr/i1/0.103.1.de.pdf, Art. 11 Abs. 2
DOSSIER NAHRUNG
VERWANDTE THEMEN
- Landwirtschaft: Fachblatt
- Wasser: Reportage Tages-Anzeiger (Aug. 2009, PDF)
- Wasser: Experten-Interview Tages-Anzeiger (Aug. 2009, PDF)


