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Myanmar: Bilanz nach einem Jahr Wiederaufbau
Vor einem Jahr hat der Zyklon Nargis in Myanmar verheerende Verwüstungen
angerichtet. Wie sieht die Situation heute aus? Gerald Marzano, Leiter Not- und
Katastrophenhilfe von World Vision Schweiz, hat das Land besucht.
Herr Marzano, wie sieht es heute im Katastrophengebiet aus?
Oberflächlich betrachtet hat sich die Natur gut erholt. Aber der Schein trügt: Der Boden weist durch die Überschwemmung immer noch einen sehr hohen Salzgehalt auf, was die Aussaat bzw. Ernte für die nächsten ein, zwei Saisons reduzieren wird. Zudem fehlt es an vielen Orten an Werkzeugen und Saatgut.
Haben Sie mit Betroffenen gesprochen?
Am meisten berührt hat mich ein Gespräch mit dem 12-jährigen Limn. Er musste zusehen, wie seine Mutter mit seinem Geschwisterchen in den Fluten ums Leben kamen. Wegen Erfahrungen wie dieser sind die Menschen für die Unterstützung aus dem Ausland sehr dankbar.
Wie engagiert sich World Vision vor Ort?
World Vision setzt Schwerpunkte im Ayeyarwaddy-Delta, wo die Verwüstungen am grössten waren. Zudem klären wir momentan ab, ob die Nahrungsmittelverteilung mit dem Welternährungsprogramm (WFP) verlängert werden kann. Bisher wurden rund 9'000 Tonnen Reis und Getreide an über 314'000 Menschen verteilt.
Welches sind die wichtigsten Aufgabenbereiche?
Ein wichtiger Teil unserer Arbeit sind die Kinderzentren, von denen World Vision über 100 ins Leben gerufen hat. Rund 17'000 Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder sonst von den Ereignissen traumatisiert sind, konnten hier bisher betreut werden.
Und die Situation der Bevölkerung im allgemeinen?
Eine wichtige Arbeit ist die Säuberung der alten Brunnen, von denen bisher rund 300 gereinigt wurden. Bis die Wasserversorgung wieder funktioniert, bereiten wir mit einer speziellen Maschine Trinkwasser auf und versorgen so verschiedene Dörfer. Zusätzlich verteilt World Vision Hygieneartikel, gibt Kochsets ab und unterstützt die Menschen beim Wiederaufbau ihrer Häuser.
Wie lange bleibt World Vision vor Ort?
Wir bleiben, solange uns die Menschen brauchen. Bis Ende Dezember 2009 läuft die Wiederaufbauphase, danach wollen wir in die langfristige Entwicklungszusammenarbeit übergehen. World Vision arbeitet seit über 40 Jahren mit lokalen Mitarbeitern in Myanmar und wird das auch in Zukunft tun.



