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Steigende Not in Pakistan: „Lieber sterben, als Flüchtlinge wegschicken“

80 Prozent der 2,5 Millionen Flüchtlinge aus dem umkämpften Swat-Tal fanden bei Gastfamilien Zuflucht. Doch auch deren bescheidene Mittel sind nun erschöpft. Angesichts der drohenden Armut stehen sie vor dem bitteren Entscheid: Die Flüchtlinge wegschicken oder selber verarmen? Rasche Hilfe der internationalen Gemeinschaft ist dringend nötig. Auch sollen die Flüchtlinge raschmöglichst in ihre Dörfer zurückkehren können.


Grosszügige Gastfreundschaft zählt zu den höchsten Werten in Pakistan. So fanden 80 Prozent der Familien, die vor den Kämpfen zwischen der pakistanischen Armee und den Taliban-Milizen aus dem Swat-Tal geflohen sind, bei privaten Gastfamilien in Nordwestpakistan Aufnahme. Dies hat bisher die grösste Not abgefedert, zugleich aber auch das volle Ausmass der Katastrophe verborgen.

Obwohl die meisten Gastfamilien selber arm sind, teilten sie ihre Häuser, Kleider, Lebensmittel und Wasservorräte. So wie der 59-jährige Rizwan Ali aus Buner, der 37 Personen grosszügig bei sich aufnahm. Die 12-jährige Saima und ihre Verwandten danken es ihm von Herzen. „Unser Herz schlug wie wild vor Angst, als wir vor den Schüssen davonrennen mussten. 20 Kilometer lang war unser Fussmarsch durch raue Berglandschaften. Wir konnten kaum gehen vor lauter blutenden Blasen an den Füssen, aber die Furcht trieb uns irgendwie vorwärts.“

Bald verarmen auch die Gastfamilien
Doch nun sind auch die Ersparnisse und Ressourcen der Gastfamilien aufgebraucht. Rizwans Beispiel gilt für viele: „Ich habe Land und Vieh weit unter dem Marktwert verkauft, um an Geld für die Versorgung der Flüchtlinge zu kommen, die bei mir leben. Bald habe ich nichts mehr, nun steht auch meine eigene Familie am Abgrund der Armut“, seufzt Rizwan. Der verzweifelte Blick in seinen Augen spricht Bände, während er seinen wenigen Monate alten Enkelsohn an sich drückt. Rizwans Tochter starb bei der Geburt. So ist neben der Flüchtlingsfamilie nun auch ein Säugling seiner Fürsorge anvertraut. Besorgt sagt Rizwan: „Um zu überleben, müssten wir die Flüchtlinge wegschicken. Doch lieber würden wir sterben, als diesen leidgeprüften Menschen so etwas Herzloses anzutun.“ Graham Strong, Länderverantwortlicher von World Vision Pakistan, warnt: „Wenn nicht bald mehr internationale Hilfe eintrifft, werden auch die verarmten Gastfamilien in Massen wegziehen und anderswo Hilfe suchen müssen. Das würde eine zweite Binnenflüchtlingswelle in Pakistan bedeuten.“

World Vision hilft konkret
Die weltweite World Vision-Partnerschaft leistet mit über 3 Millionen US-Dollar dringend nötige Soforthilfe, um die Grundbedürfnisse von 200'000 Flüchtlingen in Buner, Swabi und Mardan zu decken. World Vision Schweiz steuert 35'000 Schweizer Franken bei für Lebensmittel, Trinkwasser, Kleidung, Hygieneartikel und medizinische Versorgung. In den Flüchtlingscamps hat World Vision zudem spezielle Kinderbetreuungszentren eingerichtet. Doch die Mittel gehen bald aus. Für Kinder unter 5 Jahren sowie für schwangere und stillende Mütter sind die Folgen der Unterversorgung rasch lebensbedrohlich.

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Die Not der pakistanischen Flüchtlinge wird immer grösser
Rizwan Ali (59) nahm 37 Flüchtlinge bei sich auf
Salima (12) und ihre Familie liefen sich beim 20 Kilometer langen Fluchtmarsch die Füsse wund