Massive Hungersnot im Niger
28.07.10 16:02
Schon heute gehört die westafrikanische Republik Niger zu den ärmsten Ländern der Welt. 63 Prozent der 15 Millionen Einwohner leben unter der Armutsgrenze. Die Menschen leiden Hunger und sind auf externe Hilfe angewiesen.
Verschärft wurde die ohnehin schon dramatische Situation in dem wirtschaftlich und politisch instabilen Land durch schlechte Ernteerträge in den letzten zwei Jahren. Extreme Trockenheit und ausgelaugte, unproduktive Böden haben dafür gesorgt, dass sich die Menschen im Niger nicht mehr selbst versorgen können. Allein im Jahr 2009 fielen die Erträge 31 Prozent geringer aus als im Vorjahr. Ein Ende der Not ist nicht in Sicht, herrschten doch 2010 Temperaturen von 45 °C bis 47 ° C im Schatten.
Besonders hart trifft es die Kinder
Der Niger verzeichnet mit 7,68 Kindern pro Frau die höchste Geburtenrate der Welt. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung liegt bei 15 Jahren. Dieses extrem hohe Bevölkerungswachstum führt zusätzlich zur Verknappung der wenigen vorhandenen Ressourcen. Die Folgen: 2009 litt die Hälfte der Kinder unter chronischer Unter- oder Mangelernährung, aktuell sind es 500'000. Dramatisch ist die Situation der unter Fünfjährigen. Dort sind 17 Prozent unterernährt – ein Plus von 42 Prozent gegenüber 2009.
Bei Kindern führt chronische Mangelernährung zu schweren körperlichen Beeinträchtigungen wie zum Beispiel einer erhöhten Infektionsanfälligkeit, Sehschwächen/Blindheit, Anämie, sowie Koordinations-, Konzentrations- und Wachstumsschwächen. Auch die geistige Entwicklung von Kleinkindern wird durch den Mangel gehemmt und gestört.
Nothilfeprogramm gestartet
Angesichts der verheerenden Hungerkatastrophe startete World Vision bereits im April ein Nothilfeprogramm in den Regionen Niamey, Tillaberi, Maradi, Zinder und Tahoua. Im Juni versorgte das Hilfswerk in Zusammenarbeit mit dem Welternährungsprogramm (WFP) 32 Getreidebanken mit 320 Tonnen Getreide. Gemeinsam mit der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation, FAO, verkaufte man subventioniertes Saatgut an 10’000 Haushalte. In Kooperation mit dem WFP sind binnen eines Monats 1’450 Tonnen Getreide und Bohnen an 92’193 Begünstige in 13’162 Haushaltungen verteilt worden.
Um die Mangelernährung zu bekämpfen, erhalten derzeit zahlreiche Gesundheitszentren die so genannte „Plumpy Nut“. Eine gebrauchsfertige, therapeutische Paste aus Erdnussbutter, Milchpulver, Öl und Zucker, die mit Vitaminen und Nährstoffen angereichert ist. Dazu schult World Vision freiwillige Helfer, die in den verschiedenen Gebieten mangelernährte Kinder suchen und versorgen.



