Entwicklungsländer: Schweizer Nachfrage verschärft Situation im Gesundheitssektor
07.07.10 16:52
Die neue Migrationsstrategie soll laut Thomas Greminger vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) daher sein, Gesundheitspersonal aus dem Ausland zu gewinnen. Dazu zählt er ausdrücklich auch Arbeitskräfte aus Entwicklungsländern.
Laut dem Kodex über die internationale Rekrutierung von Gesundheitspersonal, der im Mai 2010 von der Weltgesundheitsorganisation verabschiedetet wurde, sollten Staaten aber von der aktiven Rekrutierung von Gesundheitspersonal aus Entwicklungsländern absehen, die ihrerseits über knappe Kapazitäten im Gesundheitswesen verfügen.
Es fragt sich also, ob es denn überhaupt Länder gibt, aus denen die Schweiz guten Gewissens Gesundheitspersonal rekrutieren dürfte. Der Vergleich zwischen der Schweiz und Tansania zum Beispiel ist erschreckend: während in der Schweiz eine Pflegefachperson oder Hilfspflegerin auf rund 80 Personen kommt, versorgt in Tansania eine Hebamme oder Krankenpflegerin 2’700 potenzielle Patienten.
Auch Osteuropa ist betroffen
Nun kann argumentiert werden, dass Tansania wohl nicht der erste Kandidat für die Rekrutierung darstellt. Nehmen wir also Rumänien als vergleichsweise naheliegendes Land, das durch die EU-Osterweiterung in Bälde Zugang zum Schweizer Arbeitsmarkt bekommt. Dort stand 2006 nur eine Pflegefachperson für gut 250 Einwohner und ein Arzt für 530 mögliche Patienten zur Verfügung. Die Verhältnisse sind damit zwei- bis dreimal bedenklicher als in der Schweiz. Und sie haben sich in den letzten vier Jahren drastisch verschlechtert. Allein aus Bukarest sollen 2’000 der zuvor 14'000 Ärzte in den Westen abgewandert sein.
Ist es angesichts dieser Umstände wirklich gerechtfertigt, wenn wir unseren Bedarf auf eine Weise decken, die in ärmeren Ländern den Mangel verstärkt? Diese Frage dürfte wohl auch die Schweizer Migrationspolitik noch länger beschäftigen.
Statistik: Einwohner pro Arzt weltweit



