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Detektivarbeit in Haiti: World Vision führt Familien zusammen

23.06.10 16:40

Vorsichtig befragt Marco Marcellus die Kinder im Waisenhaus.

Als Mario sie anstrahlt, lächelt die neunjährige Ana scheu zurück. Idalia, die Direktorin des Waisenhauses, schiebt das Mädchen sanft vor sich her. Mario setzt sich neben sie und fragt: „Erinnerst du dich an dein altes Zuhause?“

Mario Marcellus ist Mitarbeiter von World Vision in Haiti und seit dem verheerenden Erdbeben auf der Suche nach Kindern, die von ihren Familien getrennt wurden. Im Laufe der nächsten halben Stunde erfährt er viel über Ana und ermutigt sie, alle Details wiederzugeben. Und, Ana erinnert sich an die Telefonnummer ihrer erwachsenen Schwester - eine gute Nachricht. Als Mario später mit ihr sprechen kann, erfährt er jedoch, dass die junge Frau in einem Obdachlosencamp lebt und kaum für sich selbst und ihre Kinder sorgen kann. Die Schwester selbst brachte Ana ins Waisenhaus.

Die Hintergründe sind vielfältig

Die Helfer treffen oft auf Kinder, die bereits vor dem Beben von ihren Eltern verlassen wurden. Manchmal finden sie aber auch Kinder, deren Familienangehörige das Beben überlebt haben, jedoch nicht in der Lage sind, sie angemessen zu versorgen. „Es ist nachvollziehbar, dass Eltern ihr Kind fremden Leuten überlassen, wenn sie denken, dass es ihnen dort besser geht. Dass Angehörige so handeln, ist ein Symptom der bitteren Armut“, wissen die World Vision-Mitarbeiter. Sie arbeiten in Haiti mit fünf anderen Hilfsorganisationen zusammen, um Kinder wieder ihren Familien zuzuführen.

„Die große Armut der Kinder zu sehen ist sehr belastend“, sagt Mario. „Manche haben nichts zu essen, keine Kleidung, wurden verlassen.“ So sehr die Helfer eine Familienzusammenführung befürworten, die Sicherheit und der emotionale Schutz der Kinder haben oberste Priorität. Vor einem Treffen prüfen sie, welche Faktoren die Eltern möglicherweise davon abhalten, ihr Kind aufzunehmen. Auch wird sichergestellt, dass die Person, die behauptet, ein Familienmitglied zu sein, die Wahrheit sagt.

Damit nicht die Armut einer Zusammenführung im Wege steht, können Angehörige in den ersten sechs Monaten nach dem Wiedersehen eine finanzielle Hilfe von 60 bis 150 US-Dollar in Anspruch nehmen. Ausserdem erhalten die Kinder wichtige Hilfsgüter wie Kleidung, Zahnpasta, Reis und Öl, denn immerhin muss die Familie eine weitere Person versorgen.

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