Allein in Kolkata leben zirka drei Millionen Menschen unter schlimmsten Bedingungen. Im Bob Pierce-Zentrum helfen wir den Schwächsten unter ihnen – den Strassenkindern.
Schön war Sunitas Kindheit nicht. Die heute 23-jährige wuchs mit ihrer Mutter in den Strassen von Kolkata auf. Um die Familie durch zubringen, hackte und verkaufte Sunitas Mutter Holz und oft war das kleine Mädchen gezwungen, bei der Arbeit zu helfen. Doch das Geld reichte gerade einmal für das Allernötigste. Davon, in die Schule zu gehen und mit Gleichaltrigen zu lernen und zu spielen, konnte Sunita nur träumen.
Auch Sunitas Mutter wünschte sich eine andere, eine bessere Zukunft für ihre Tochter und meldete sie bei World Vision an. Im Bob Pierce-Ausbildungszentrum* absolvierte Sunita Grundkurse, besuchte die Schule und machte eine Anlehre zur Kosmetikerin. Heute arbeitet sie in einem Schönheitssalon und hat ein geregeltes Einkommen, mit dem sie für sich und ihre Mutter sorgt.
Zufluchtsort für Stassenkinder
Im Bob Pierce-Zentrum finden Strassenkinder wie Sunita einen sicheren Zufluchtsort, an dem sie betreut und in eine selbstbestimmte Zukunft begleitet werden.
Dort zeigt World Vision den Kindern - in der Regel Mädchen - neue Perspektiven auf und stärkt ihr Selbstbewusstsein, wobei das dreistufig aufgebaute Projekt immer auch die Familien der Kinder einbezieht.
„Mädchen gehören zu den gefährdetsten Gruppen der Strassenbewohner. Ihren Bedürfnissen wird durch gezielte Förderungsmassnahmen - Schul- und Weiterbildung aber auch Haushalts- und Handarbeitsunterricht - besonders Rechnung getragen."
Drei Projekt-Schwerpunkte
1. Familienunterstützung
Aktuell versorgt World Vision 120 auf der Strasse lebende Familien mit dem Nötigsten, klärt über Krankheiten und Hygiene auf und vermittelt medizinisches Grundwissen. Zudem wird über die Möglichkeiten der Einkommensförderung und Familienberatung informiert.
Für die Strassenkinder bietet World Vision einen zeitweiligen Aufenthalt in einem Betreuungszentrum an, in dem sie spielen, lernen und sich entwickeln können.
2. Selbstbewusstsein für Strassenkinder
Jedes Jahr besuchen insgesamt 90 Strassenkinder (6 Gruppen à 15 Personen) vier aufeinander aufbauende Blockkurse im Ausbildungszentrum Bob Pierce. So bekommen die Kinder Berufsberatung, lernen sich zu verhalten und entwickeln ihre Persönlichkeit.
Gleichzeitig üben sie sich in Handarbeiten, Kochen oder Hausgartenkunde. Nebst dem präventiven Aspekt sind diese Grundlagen wichtig, um ihnen Perspektiven aufzuzeigen und ihr Selbstvertrauen zu stärken.
3. Ausbildung als Basis zur Selbstversorgung
Pro Jahr machen 20 Strassenkinder eine drei- bis sechsmonatige Anlehre als Krankenpflegerin, Hauswirtschafterin oder Kosmetikerin mit anschliessendem Praktikum. Im Bob Pierce-Zentrum können sie zudem Computer-, Englisch- und Handarbeitskurse besuchen. Mit diesen Kenntnissen und der Praxiserfahrung sind die Mädchen in der Lage, sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen.
Aktuelle Fortschritte im Projekt
- Insgesamt wurden 300 Kinder im Alter von 4 bis 18 Jahren betreut
- 5 Bildungszentren versorgten 261 Kinder mit einer Mahlzeit pro Tag
- 1 fremdfinanziertes Internat mit 72 Mädchen
- 218 Kinder wurden in die Schule, 78 Kinder in Übertrittskurse integriert
- 111 Kinder erhielten Stützunterricht
- 95 Kinder sind in 5 Kinderklubs/Auffangzentren organisiert
- 24 Kinder haben erfolgreich die Schule abgeschlossen
- Zudem wurden diverse Events, Kampagnen und Schulungen durchgeführt
*benannt nach dem Gründer von World Vision


