Vietnam hat sich aus eigener Kraft erstaunlich gut entwickelt und aufgeholt. Dennoch ist das Land auf zusätzliche Unterstützung von aussen angewiesen.
Lang und schmal zieht sich Vietnam von Nord nach Süd entlang der Küstenlinie des Südchinesischen Meeres. An jedem Ende weitet sich das Land zu einer fruchtbaren Flussebene und trägt deshalb scherzhaft den Beinamen Bambusstange mit zwei Reisschalen.
Im Norden herrscht subtropisches Klima mit vier Jahreszeiten. Im tropischen Süden gibt es dagegen eine Trocken- und eine Regenzeit, die an der Küste und im Mekong-Delta regelmässig Taifune und Überschwemmungen und damit oft alles vernichtende Verwüstungen bringt. Der sandige Küstenstreifen geht in eine fruchtbare, dicht besiedelte Ebene über, die langsam zu einer hügeligen, unwegsamen Berglandschaft ansteigt. In dieser wenig fruchtbaren Region, die drei Viertel der Landesfläche ausmacht, leben die Ärmsten der vietnamesischen Bevölkerung.
Tiefe Wunden heilen langsam
Die Kultur Vietnams ist mehr als 30.000 Jahre alt. Mitte des 19. Jahrhunderts brachte Frankreich auch europäische Interessen und Einflüsse ins Land. Jahrzehnte später bekämpften sich Nord- und Südvietnam – unter massiver Beteiligung der USA aufseiten Südvietnams – im Vietnamkrieg. Nach Ende der Kämpfe und der Wiedervereinigung 1976 begannen die Wunden langsam zu heilen. Heute ist Vietnam international integriert und diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen haben sich normalisiert.
Deutlich gesteigerte Exporte von Textilien, Schuhen, Kaffee, Fischereiprodukten und Reis bieten Fachkräften Arbeit und Sicherheit. Aber noch immer leben 70 Prozent der Bevölkerung von Land-, Fisch- und Forstwirtschaft. Auf meist zu kleinen Parzellen können sie nur geringe Erträge erzielen, die bestenfalls den Eigenbedarf decken. Anteil am Wirtschaftswachstum haben sie nicht. Viele suchen Arbeit in den Städten, enden aber mangels Ausbildung oft in Armut und den Slums.
Der Schlüssel zur Zukunft
Ein bemerkenswert hoher Prozentsatz von 90 Prozent aller Vietnamesen kann lesen und schreiben. Denn, konfuzianisch geprägt, legen die Vietnamesen grossen Wert auf Bildung. Was aber vor allem auf dem Land fehlt, sind gut ausgestattete Schulen, qualifizierte Lehrer und in bedürftigen Familien die Mittel für Schuluniformen, Unterrichtsmaterial und Prüfungsgebühren. Bei vielen scheitert daran der Zugang zu besserer Bildung und Chancen auf Arbeit.
Für viele unbezahlbar
Medizinische Versorgung gibt es zwar, nicht aber im unzugänglichen Bergland und in den Slums. Und für Arme sind die kostenpflichtigen medizinischen Leistungen unerschwinglich. Vor allem Früherkennung und Behandlung von Behinderungen bei Kindern kommen zu kurz. Durch Landminen und Chemikalien aus Kriegszeiten gibt es noch immer viele Kinder mit Behinderungen oder Missbildungen. In vielen Regionen fehlen auch Trinkwasserleitungen und sanitäre Einrichtungen.
Auf gutem Wege
Vietnam ist auf einem guten Weg, dennoch ist das Land auf zusätzliche Unterstützung von aussen angewiesen. Die Einbindung in die internationale Staatengemeinschaft, der Beitritt zur Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds oder die Mitgliedschaft in der ASEAN (Verband Südostasiatischer Nationen) sind auf politischer Ebene eine wichtige Hilfe. Hilfswerke wie World Vision konzentrieren sich auf die Verbesserung der alltäglichen Lebenssituation der Menschen.
World Vision unterstützt die Patenschaftsprojekte Lang Chanh, Quan Hoa und Quan Son sowie ein Schwerpunktprojekt für Strassenkinder in Vietnam.
Projektschwerpunkte
- Schule und Bildung
- Gesundheit und Ernährung
- Landwirtschaft und Mikrofinanz
- Patenschaftsprogramm: Kinder aus den ärmsten Familien werden von einheimischen World Vision-Mitarbeitern regelmässig besucht und unterstützt
Länder im Vergleich
| *UN Entwicklungsindikator für Länder | ||
|---|---|---|
| Vietnam | Schweiz | |
| Bevölkerung unter 15 Jahren | 25.2% | 15.2% |
| Kinder pro Frau | 1.91 | 1.46 |
| Ärzte pro 100‘000 Einwohner | 194 | 360 |
| Lebenserwartung | 72.18 Jahre | 81 Jahre |
| Müttersterblichkeit auf 100‘000 Geburten | 56 | 10 |
| Kindersterblichkeit vor 5. Lebensjahr (von 1'000) | 24 | 4 |
| Säuglingssterblichkeit (von 1'000) | 20 | 4 |
| Analphabeten über 15 Jahren | 6.0% | 1% |
| Human Development Index* (von 169) | Rang 113 | Rang 13 |
Vietnam in Zahlen
| Hauptstadt | Hanoi |
|---|---|
| Fläche | 331‘210 km2 (CH 41‘285 km2) |
| Einwohner | 90.5 Mio. (CH 7.87 Mio.) |
| Sprachen | Vietnamesisch (offiziell), Englisch, Französisch, Chinesisch, andere |
| Religionen | Buddhisten 9.3%, Katholisch 6.7%, keine 80.8% |
| Exportgüter | Reis, Pfeffer, Cashewnüsse, Kaffee, Tee, Kautschuk, Meeresfrüchte, Textilien |
| Grösste Herausforderungen | Mangelernährung, Krankheiten, mangelnde Bildung |
| World Vision in Vietnam | seit 1960 |
| Projekte | Patenschaftsprojekte Lang Chanh, Quan Hoa, Quan Son, Schwerpunktprojekt Strassenkinder in Vietnam |
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