Obwohl Rumänien seit 2007 Mitglied der EU ist, kämpft das Land immer noch mit grossen Problemen. Nicht nur die rumänische Wirtschaft bedarf vieler Reformen.
Rumänien, das grösste Land auf der Balkanhalbinsel, hat mit den Karpaten eine wild-romantische Berglandschaft. Der Karpatenbogen begrenzt das siebenbürgische Hochland. Die Donau bildet auf langen Strecken die Südgrenze Rumäniens, durchfliesst die Ebene der Walachei und mündet ins Schwarze Meer. Rumänien sah in seiner Geschichte viele Reiche kommen und gehen, wie das der Römer, der Ottomanen und Österreich-Ungarn. Seit dem Zweiten Weltkrieg bis 1989 war Rumänien unter kommunistischer Herrschaft.
Wirtschaftliche Träume – der Albtraum Armut
Rumänien ist eines der ärmsten Länder Europas. Unsinnige Wirtschaftsprojekte führten während der Regierungszeit von Nicolae Ceaucescu zu einer hohen Verschuldung im Ausland und einer starken Verringerung des Lebensstandards. Anfangs der 90er Jahre wurde gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfonds IWF eine vorsichtige Reformpolitik eingeleitet. Seit 2007 ist Rumänien Mitglied der Europäischen Union (EU). Doch das Land kämpft immer noch mit grossen Problemen. Die rumänische Wirtschaft bedarf weiterer Reformen, und die Reorganisation führt immer noch zu Massenentlassungen. Rund 30 Prozent der Gesamtbevölkerung leben unter der Armutsgrenze. Vor allem auf dem Land ist die Armut extrem. Die Finanzkrise der letzten Jahre verschärfte die Situation.
Krank, behindert – und ausgegrenzt
Die rumänische Bevölkerung tut sich schwer mit Andersartigen, und schliesst sie am liebsten weg. Darunter leiden viele Menschen mit Behinderungen. Gerade Kinder werden schnell in Heime abgeschoben und erhalten kaum die nötige Versorgung und Förderung. Die Schulen sind nicht auf die Bedürfnisse behinderter Kinder eingestellt. Ähnlich ergeht es Jugendlichen, die - teilweise seit der Geburt – mit HIV infiziert sind. Auch sie werden stigmatisiert und ausgegrenzt.
Roma – fremd im eigenen Land
In Rumänien leben etwa 550‘000 Roma, die meisten von ihnen in grosser Armut. Der Prozentsatz der Roma, die unter der nationalen Armutslinie leben, ist viermal höher als der Prozentsatz der Gesamtbevölkerung. Arbeitslosigkeit, mangelnde Bildung, mangelnde Infrastruktur, Krankheiten, Stigmatisierung und Diskriminierung sind grosse Probleme.
Menschenhandel – moderne Sklaverei
Rumänien spielt als Quelle und als Transitland eine traurige Rolle im Menschenhandel. Menschenhandel ist eine gravierende Verletzung der Menschenrechte. Frauen, Männer und Kinder werden verkauft, als Ware gehandelt und als billige Arbeitskräfte in der Sexindustrie, im Baugewerbe, als Haushaltskräfte oder Bettelkinder ausgebeutet. Menschenhändler täuschen den Opfern die Möglichkeit eines besseren Lebens vor. Besonders leichte Opfer sind die Schutzlosen der Gesellschaft – beispielsweise diskriminierte Minderheiten wie die Roma, Kinder mit fehlender Integration in ihrer Familie und junge Frauen ohne Ausbildung.
World Vision unterstützt das Patenschaftsprojekt Constanta in Rumänien.
Projektschwerpunkte
- Gesundheit und Ernährung
- Schule und Bildung
- Menschen- und Kinderrechte
- Kompetenzentwicklung
- Patenschaftsprogramm: Kinder aus den ärmsten Familien werden von einheimischen World Vision-Mitarbeitern regelmässig besucht und unterstützt
Länder im Vergleich
| *UN Entwicklungsindikator für Länder | ||
|---|---|---|
| Rumänien | Schweiz | |
| Bevölkerung unter 15 Jahren | 14.8% | 15.2 % |
| Anzahl Kinder pro Frau | 1.29 | 1.46 |
| Ärzte pro 100‘000 Einwohner | 190 | 360 |
| Lebenserwartung | 73.9 Jahre | 81 Jahre |
| Müttersterblichkeit auf 100‘000 Geburten | 27 | 10 |
| Kindersterblichkeit vor 5. Lebensjahr (von 1'000) | 12 | 4 |
| Säuglingssterblichkeit (von 1'000) | 10 | 4 |
| Analphabeten über 15 Jahren | 2.7% | 1% |
| Human Development Index* (von 169) | Rang 50 | Rang 13 |
Rumänien in Zahlen
| Hauptstadt | Bukarest |
|---|---|
| Fläche | 283‘391 km2 (CH 41‘285 km2) |
| Einwohner | 21.9 Mio. (CH 7.87 Mio.) |
| Sprachen | Rumänisch 91%, Ungarisch 6.7%, Roma 1.1% |
| Religionen | Orthodox 86.8%, Evangelisch 7.5%, Katholisch 4.7% |
| Exportgüter | Textilien, Schuhe, industrielle Vorprodukte, Metalle, Maschinen |
| Grösste Herausforderungen | Armut, Arbeitslosigkeit, Krankheiten, Menschenhandel |
| World Vision in Rumänien | seit 1990 |
| Projekte | Patenschaftsprojekt Constanta |
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