Nicaragua ist ein fruchtbares Land, das seine Bevölkerung nicht ernährt. Viele Güter werden exportiert, schlechte Weltmarktpreise und soziale Ungerechtigkeit machen den Menschen zu schaffen.
Das „Land der tausend Vulkane“ zwischen der Karibik- und Pazifikküste ist vor allem für seine politische Instabilität, Bürgerkriege und Naturkatastrophen bekannt. Grosse Städte liegen nur im Westen des Landes. Im Osten Nicaraguas erstreckt sich Regenwald.
Parallel zur Pazifikküste verläuft die Nicaraguasenke, an deren Rändern es häufig zu Erdbeben kommt. Immer wieder bricht einer der elf aktiven Vulkane aus. Erdrutsche und Wirbelstürme richten regelmässig schwere Schäden an.
Ein Land, das keine Ruhe findet
Seit Kolumbus das Land betrat, wurde es von Konquistadoren und später von Briten als Kolonialmacht besetzt. Durch Versklavung, Kriege, Krankheiten und Vermischung mit Einwanderern reduzierte sich die Zahl der Bevölkerung drastisch. Die Unabhängigkeit im Jahr 1821 brachte nicht die erhoffte Ruhe. 1912 rief das Land erstmals die USA zu Hilfe, doch erste wirtschaftliche Fortschritte machte der Bürgerkrieg ab 1979 zunichte.
Alltäglicher Kampf ums Überleben
Nicaragua ist nach Haiti das zweitärmste Land der Region Lateinamerika und Karibik. Von Monokulturen ausgelaugte Böden, der Mangel an Saatgut, Infrastruktur und Krediten, aber auch sinkende Weltmarkt-Preise verschlimmern die Situation in den Familien.
Viele müssen ihr Land verkaufen und ziehen in die riesigen Elendsviertel der Städte. Aber auch hier wartet oft nur Arbeitslosigkeit oder eine geringfügige Beschäftigung, die die Lebenshaltungskosten nicht deckt.
Fruchtbare Böden, die niemanden ernähren
Nicaragua ist ein sehr fruchtbares Land, aber es ernährt seine Bevölkerung nicht. Oft werden Ernten durch Unwetter vernichtet; ein grosser Teil der Erträge wird exportiert.
Ein Drittel der über 15-Jährigen sind Analphabeten. Seit der Schulunterricht kostenlos ist, können ihn mehr Kinder besuchen. Viele Gebäude sind aber renovierungsbedürftig. Sinnvolle Freizeitangebote und berufliche Förderung fehlen – und das endet oft in Resignation, Drogen- und Alkoholmissbrauch und Gewalt – auch in der Familie.
Wasser, Hygiene, Medizin - es mangelt an Vielem
Zehn Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind unterernährt. Sauberes Trinkwasser, Latrinen und Kanalisation sind Mangelware. Etwa 20 Prozent der Bevölkerung haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Folge sind Infektionen, die für die ohnehin geschwächten Kinder oft tödlich enden.
Medizinische Versorgung, Aufklärung und Hygiene reichen bei weitem nicht aus. Die Lebenserwartung liegt heute bei durchschnittlich 72 Jahren. Ohne Hilfe von aussen wird sich die Lebenssituation der Menschen in den nächsten Jahren weiter verschlechtern.
Auf Unterstützung angewiesen
Nicaragua ist das zweitärmste Land in Lateinamerika und ist auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen. Politisch-administrative Programme helfen vor allem beim Ausbau rechtsstaatlicher Strukturen, bei der Entschuldung des Landes und dem Aufbau einer nachhaltigen Ressourcenwirtschaft. Hilfswerke und Nichtregierungsorganisationen konzentrieren sich auf die unmittelbare Lebenssituation der Menschen, helfen bei der Trinkwasserversorgung, erarbeiten Bildungsprogramme und vergeben Mikrokredite.
World Vision Schweiz unterstützt die Patenschaftsprojekte Ticuantepe, Xochiltlepec und Xolotlan in Nicaragua.
Projektschwerpunkte
- Gesundheit und Ernährung
- Schule und Bildung
- Kinderschutz
- Patenschaftsprogramm: Kinder aus den ärmsten Familien werden von einheimischen World Vision-Mitarbeitern regelmässig besucht und unterstützt
Länder im Vergleich
| *UN Wohlstandsindikator für Länder | ||
|---|---|---|
| Nicaragua | Schweiz | |
| Bevölkerung unter 15 Jahren | 31.7% | 15.2% |
| Kinder pro Frau | 2.12 | 1.46 |
| Ärzte pro 100‘000 Einwohner | 37 | 360 |
| Lebenserwartung | 71.9 Jahre | 81 Jahre |
| Müttersterblichkeit auf 100‘000 Geburten | 100 | 10 |
| Kindersterblichkeit vor 5. Lebensjahr (von 1000) | 26 | 4 |
| Säuglingssterblichkeit (von 1000) | 22 | 4 |
| Analphabeten über 15 Jahren | 32.5% | 1% |
| Human Development Index* (von 169) | Rang 115 | Rang 13 |
Nicaragua in Zahlen
| Hauptstadt | Managua |
|---|---|
| Fläche | 130‘370 km2 (CH 41‘285 km2) |
| Einwohner | 5.67 Mio. (CH 7.87 Mio.) |
| Sprachen | Spanisch 97.5%, Miskito 1.7% |
| Religionen | Römisch-katholisch 58.5%, evangelisch 21.6% |
| Exportgüter | Kaffee, Bananen, Zuckerrohr, Baumwolle |
| Grösste Herausforderungen | Mangelernährung, verunreinigtes Trinkwasser, Krankheiten, mangelnde Bildung, häusliche Gewalt und Missachtung von Kinderrechten, Naturkatastrophen |
| World Vision in Nicaragua | seit 1989 |
| Projekte | Patenschaftsprojekte Ticuantepe, Xochiltlepec, Xolotlan |
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