Es bleibt viel zu tun: Lediglich 20 Prozent der Kinder Malis sind geimpft. Und noch immer über 90 Prozent der Mädchen beschnitten.
Mali ist ein Binnenland in Westafrika mit bewegter Vergangenheit und sich seit rund 20 Jahren stabilisierenden demokratischen Verhältnissen. Im Norden des Landes herrscht die Sahara, im Süden liegt fruchtbares Tiefland mit guten Lebensbedingungen. Doch die Wüste dringt unaufhaltsam vor.
Von märchenhaftem Reichtum zu bitterer Armut
Das alte Königreich Mali war für seinen Reichtum durch Goldhandel berühmt. Lange lebte es unter Herrschaft arabisch-berbischer Völker. Im 19. Jahrhundert wurde aus Mali Französisch-Sudan. 1960 kamen Unabhängigkeit, ein zunächst sozialistischer Kurs und dann über 20 Jahre Militärdiktatur. Seit den ersten freien Wahlen 1992 ist die Republik ein gelungenes Beispiel stabiler Demokratie in Afrika. Aber sie gehört zu den ärmsten Ländern der Welt.
Am guten Willen fehlt es nicht
Traditionell ist Bildung in Afrika Sache der Grossfamilie; dem europäischen Modell steht man skeptisch gegenüber. Geschätzte 76 Prozent sind daher Analphabeten. Jede Volksgruppe spricht ihre eigene Sprache, aber die Kinder lernen in der Schule schnell Französisch. Jedoch: Mangelhafte Unterrichtsqualität und Lehrerausbildung, überfüllte Klassen und in Dorfschulen oft die Pflicht, den Lehrer zu bezahlen, führen dazu, dass viele Kinder nicht die Schule besuchen
Wüste auf dem Vormarsch
80 Prozent der Malier bauen im fruchtbaren Süden Reis, Hirse, Maniok und Süsskartoffeln für den Eigenbedarf und Baumwolle für den Export an, treiben Viehzucht oder Fischfang. Gold ist ein bedeutsames Exportgut, aber die verarbeitende Industrie wenig entwickelt. Bei ausreichend Regen kann das Land seine Bürger mit Nahrung versorgen. Aber immer öfter bleibt er aus, die Wüsten rücken vor und die Bevölkerung wächst schnell. Mali ist heute eines der ärmsten und am wenigsten entwickelten Länder der Welt.
Aufklären und Vorsorge leisten
Ärzte und ausgebildete Hebammen fehlen. Nur acht Prozent der Kinder kommen mit ihrer Hilfe zur Welt; lediglich 20 Prozent sind ausreichend geimpft und 25 Prozent sterben früh. Nur die Hälfte hat sauberes Trinkwasser und sanitäre Anlagen; Durchfallkrankheiten und Malaria sind die oft gefährliche Folge. Immer noch 92 Prozent der Mädchen werden „beschnitten“; das Infektionsrisiko dabei ist enorm. Die HIV-Infektionsrate ist für Afrika mit 1.5 Prozent noch relativ gering. Aber Aufklärung ist dringend nötig.
Projektschwerpunkte
- Schule und Bildung
- Gesundheit und Ernährung
- Landwirtschaft und Mikrofinanz
- Menschen- und Kinderrechte
- Patenschaftsprogramm: Kinder aus den ärmsten Familien werden von einheimischen World Vision-Mitarbeitern regelmässig besucht und unterstützt
Länder im Vergleich
| *UN Entwicklungsindikator für Länder | ||
|---|---|---|
| Mali | Schweiz | |
| Bevölkerung unter 15 Jahren | 47.3% | 15.2% |
| Kinder pro Frau | 6.44 | 1.46 |
| Lebenserwartung | 52.6 Jahre | 81 Jahre |
| Ärzte pro 100‘000 Einwohner | 8 | 360 |
| Kindersterblichkeit vor 5. Lebensjahr (von 1'000) | 191 | 4 |
| Müttersterblichkeit auf 100‘000 Geburten | 830 | 10 |
| Säuglingssterblichkeit (von 1'000) | 101 | 4 |
| Analphabeten über 15 Jahren | 53.6% | 1% |
| Human Development Index* (von 169) | Rang 160 | Rang 13 |
Mali in Zahlen
| Hauptstadt | Bamako |
|---|---|
| Fläche | 1‘240‘190km2 (CH 41 285 km2) |
| Einwohner | 14.16 Mio. (CH 7.87 Mio.) |
| Sprachen | Französisch, Bambara, viele afrikanische Sprachen |
| Religionen | 90% Muslime, 9% Animisten, 1% Christen |
| Exportgüter | Baumwolle, Gold, Nutzvieh |
| Grösste Herausforderungen | Kinder- und Müttersterblichkeit, mangelndes Trinkwasser, mangelnde Bildung, Armut, zunehmende Dürrekatastrophen |
| World Vision vor Ort | seit 1975 |
| Projekte | Patenschaftsprojekte Diago, Kampena, Neguela und Seniwe |

